Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

Für die Woche vom 26. – 30. August 2019

DAX

Im Handelsstreit zwischen USA und China wurde zum Ende der vergangenen Woche eine neue Eskalationsstufe gezündet. Zugleich forderte US-Präsident Trump von der Fed eine deutliche Zinssenkung in Höhe von 1 %. Dies wurde natürlich sofort von Fed-Seiten zurückgewiesen. Die Gefahr einer weltweiten Rezession erhöhte sich dadurch weiter. Der DAX schloss dennoch mit 11.612 Punkten leicht im Plus. Zwischenzeitlich sah es in der letzten Woche sogar danach aus, als könnte der Index die Marke von 12.000 Punkten überwinden. Allerdings ist der DAX auf dem Weg zur Widerstandslinie bei knapp unter 12.000 Punkten ins Straucheln geraten. Am Freitag rutschte der Markt mit leicht anziehenden Umsätzen wieder nach unten und ist in den Bereich der Unterstützungslinie bei ca. 11.600 Punkten gefallen. Die positiven Indikatorensignale könnten die Abwärtsdynamik etwas bremsen. Der Wochenauftakt dürfte aber deutlich im Minus liegen und ein Test der Unterstützung bei ca. 11.400 Punkten nur eine Frage der Zeit sein. Daran dürfte auch eine zwischenzeitliche Meldung von US-Präsident Trump nichts ändern. Er meinte, dass sich der chinesische Ministerpräsident telefonisch bei ihm gemeldet hätte und einen Re-Start der Handelsgespräche anbot.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag nach einer volatilen Woche mit 3.334 Punkten aus dem Handel und lag somit im Vergleich zur Vorwoche 0,15 % höher. Nach der überraschenden Ankündigung Chinas am Freitag Zölle auf US-Güter im Volumen von 75 Milliarden US-Dollar ab dem 1. September zu verhängen, reagierte Trump erwartungsgemäß ungehalten, wodurch der Zollstreit eine neue Eskalationsstufe erreichte. Dies trübt den Ausblick für die aktuelle Woche, da die schwächelnde Weltkonjunktur und der Handelsstreit wieder verstärkt in den Fokus rücken und das Sentiment verschlechtert. Aus technischer Perspektive sehen wir weitere Kursverluste bis zur Unterstützungslinie bei 3.280 Punkt (Tiefpunkt Mai 2019) als möglich sowie Verluste darüber hinaus bis zum unteren Bollinger-Band bei ca. 3.240 Punkten, falls diese wichtige Unterstützung nicht verteidigt werden kann. Da der Handelsstreit massiven Einfluss auf die Kursentwicklung hat, rechnen wir mit einer erhöhten Volatilität und sehen eine kurzfristige Obergrenze bei dem 50 %-Fibonacci-Retracement bei 3.382 Punkten. Auf dem internationalen Notenbankentreffen in Jackson Hole hielt sich Jerome Powell von der Fed trotz erhöhtem Druck von Donald Trump bezüglich weiterer Zinssenkungen bedeckt, sodass kurzfristig von der Geldpolitik keine weiteren Signale zu erwarten sind.

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones korrigierte in der vergangenen Woche um 1,0 %. Er schloss bei 25.629 Punkten. Bis Donnerstag war der Dow Jones auf Kurs zu einem Wochengewinn, ehe der Freitag mit einem Minus von 2,37 % die Woche zu einer Korrekturwoche machte. Belastet haben den Handelskrieg zwischen China und den USA diesmal die Chinesen mit der Ankündigung von Strafzöllen. Dieses Muskelspiel auf beiden Seiten empfinden wir als höchst gefährlich und auch irrational, denn die Geschichte lehrt uns, dass Abschottungspolitik immer zu einem schwierigen Marktumfeld geführt hat. Eine rationale Strategie hinter dieser Zuspitzung erschließt sich uns nicht, schwer vorstellbar, wie die Republikaner die Wahl im Herbst nächstes Jahr gewinnen wollen, wenn sich die Wirtschaft abschwächt. Aus technischer Sicht wurde am Freitag erneut die 200-Tage-Linie (aktuell bei 25.615 Punkten) getestet, sie hat bisher gehalten. Aus unserer Sicht haben wir aktuell an den US-Börsen eine moderat überverkaufte Indikation vorliegen, so dass wir in dieser Woche eher mit vermindertem Abwärtspotenzial rechnen. Eine technische Reaktion nach oben erscheint möglich, wir sehen aber nicht mehr Potenzial als die Verlaufshochs vom ersten August-Drittel (26.427 Punkten). Im weiteren Verlauf halten wir einen Bruch der 200-Tage-Linie jedoch für realistisch, rechnen aber mit einer Zurückeroberung bei einer aus unserer Sicht wahrscheinlichen Herbstrallye. Unser Worst-Case-Szenario liegt beim Tiefpunkt Anfang Juni bei 24.681 Punkten. Für einen Einstieg halten wir es für zu früh, die Marktteilnehmer sollten mit dem Einstieg noch warten bis klarere Einstiegssignale vorliegen.

Bund Future

Der Bund Future notiert aktuell bei 178,66 Punkten. Die Risikoaversion der Marktteilnehmer bleibt weiterhin erhöht. Gründe hierfür sind zum einen der Handelskonflikt zwischen den USA und China und ein drohender „harter“ Brexit. Interessant ist der Blick auf die Indikatoren. Sowohl der MACD als auch der Stochastik geben Verkaufssignale. Dennoch kann der Bund Future weiter Richtung 179,00 Punkten laufen. Auffallend ist, dass die jüngste 30-jährige Bundemission eher ein Flop war, kein Wunder bei einer negativen Emissionsrendite.

Einschätzung

Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass das Aufwärtspotential begrenzt bleibt und die Abwärtsrisiken das Marktgeschehen dominieren sollten.

Stand: 26. August 2019

Gemälde GL-Saal
Christian Barth

Christian Barth

Der Diplom-Betriebswirt (FH) und Bankkaufmann ist seit 1998 bei der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft beschäftigt. Nach der Tätigkeit im Private Banking ist er im nun im Bereich Fondsmanagement tätig. Seine Aufgaben umfassen das Management von drei Dachfonds sowie die Analyse von zahlreichen Aktien-, Renten- und Immobilienmärkten.

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