Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

für die Woche vom 16. – 20. März 2020

DAX

Es bleibt bei der Verunsicherung der Marktteilnehmer. In der letzten Woche hatten die Märkte viele Chancen für eine Gegenbewegung, welche aus verständlichen Gründen nicht genutzt wurden. Die unklare Lage führt dazu, dass die Anleger der Mut verlassen hat wieder zurückzukehren. Der technische Rebound an der Wall Street zum Wochenschluss am Freitag ist mittlerweile vollständig verpufft. Die amerikanische Notenbank hat am späten Sonntagabend unserer Zeit die Leitzinsen völlig überraschend auf ein Leitzinsband zwischen 0,00 % und 0,25 % gesenkt. Dies zeigt mit welchen Auswirkungen die Fed auf die Wirtschaft rechnet. Allerdings trägt dies nicht zur Beruhigung der Marktteilnehmer bei, vielmehr starten die europäischen Aktienmärkte mit weiteren massiven Kursverlusten. Der DAX notiert mittlerweile unter der Marke von 8.500 Punkten und ist nur noch einen Wimpernschlag von den Hochs aus den Jahren 2000 und 2007 entfernt. Technisch betrachtet, befindet sich der Dax in einem dynamischen Abwärtstrend und weitet die Korrekturbewegung heute nach unten aus. Aufgrund des starken Verkaufsdrucks sind weitere Kursverluste möglich, sodass wir unsere defensive Positionierung beibehalten.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag mit einem Punktestand von 2.586 Punkten aus dem Handel und erlitt auf Wochensicht einen schmerzlichen Verlust von -20 %. Die europäischen Aktienmärkte rutschten nach den starken Rückgängen letzte Woche in einen Bärenmarkt, nachdem sich das Coronavirus zu einer globalen Pandemie ausweitete, in der Europa aktuell das Epizentrum ist. Der Volatilitätsindex VStoxx schoss mit einem Wert von 62 sogar in Sphären, die zuletzt während der Finanzkrise 2008 erreicht wurden und nicht einmal während der Dotcom-Blase betreten wurden. Die Zentralbanken und Regierungen reagierten mit Unterstützungsmaßnahmen und Eindämmungsmaßnahmen wie Reisebeschränkungen, Schulschließungen und Veranstaltungsverboten, die in Bezug auf Zentralbankmaßnahmen größtenteils jedoch verpufften oder im Falle von Donald Trump Schlimmeres verursachten. Allgemein lässt sich konstatieren, dass wirtschaftliche Stimulierungsmaßnahmen, wie von der Fed am Sonntagabend durchgeführt, in Zeiten in der Gesundheitspolitiker den Menschen raten, zu Hause zu bleiben, gelinde gesagt wenig stimulieren können. Charttechnisch betrachtet, hat sich wie bereits in der Vorwoche erwartet, der dynamische Abwärtstrend fortgeführt und betreten charttechnische Niveaus, die wir in den Jahren 2013 – 2014 hatten. Nach ersten Erholungsanzeichen am Freitag scheint die Wahrscheinlichkeit einer dynamischen Zwischenerholung gering. Insbesondere in den unbekannten Infektionszahlen in den USA, aufgrund von mangelnden Tests, schlummert unseres Erachtens negatives Überraschungspotenzial. Deshalb behalten wir, wie in den Vorwochen, unsere defensivere Positionierung kurzfristig bei und gehen von einer weiterhin hochvolatilen Woche aus. Den anstehenden Konjunkturdaten für diese Woche ist nur ein geringer Informationsgehalt anzurechnen, da sie die dynamischen Veränderungen der letzten Wochen nicht vollständig abbilden.

Dow Jones Industrial

Die Volatilität hat sich im Vergleich zur Vorwoche nochmal deutlich gesteigert. Der Dow Jones verlor 10,4 % und schloss bei 23.186 Punkten. Unser Worst-Case-Szenario der Vorwoche wurde somit noch unterschritten. Im Wochentief rutschte der Dow Jones sogar unter 21.250 Punkten. Da erübrigt es sich fast noch anzumerken, dass der Dow Jones in der letzten Woche den schlechtesten Tag seit 1987 hatte, mit 2 Handelsunterbrechungen von 15 Minuten. Eine weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte übers Wochenende zeigte keine Wirkung, so dass wir auch heute eine deutlich negative Handelseröffnung sehen werden, die US-Futures notieren aktuell über 7 % im Minus. Unter „normalen“ Bedingungen wären dies zweifelsohne Kaufkurse. Mit der aktuellen Corona-Situation ist dies noch schwerer zu beurteilen, aber eine technische Reaktion nach oben kann jederzeit losgetreten werden und wir halten dies auch für wahrscheinlich. Unser neues Worst-Case-Szenario liegt im Bereich von 22.500 Punkten, dort lässt sich ein Trendkanal aus den Jahren 2010 und 2015 ableiten. Ein Test dieses Levels kann bei dieser hohen Volatilität schnell erreicht sein.

Bund-Future

Das Coronavirus bestimmt auch das Geschehen an den Rentenmärkten. Solange die Risikoaversion unter den Anlegern vorherrscht, dürften davon die Staatsanleihen profitieren. Allerdings gaben diese zum Wochenschluss deutlicher nach. Scheinbar war die Erwartung auf Maßnahmen der EZB zu stark eingepreist und die Anleger positionierten sich vor dem Wochenende neu. Der Bund-Future hatte sich abgeschwächt und im Tief bei 173,85 notiert. Letztlich hielt er sich aber oberhalb der 21-Tage-Linie bei 174,22. Die erneute Verunsicherung der Marktteilnehmer und die Zinssenkung der Fed wirken unterstützend und so bleibt das Korrekturrisiko gering.

Einschätzung

In Anbetracht der gegenwärtigen Nachrichtenlage fällt eine seriöse Einschätzung schwer, sodass wir weiterhin von hoch volatilen Bewegungen ausgehen und kurzfristig unsere defensive Positionierung beibehalten.

Stand: 16. März 2020 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

Gemälde GL-Saal

Christian Curac

Der zertifizierte Chartered Financial Analyst® (CFA®) ist Mitglied des Fondsmanagement Teams. Bevor er 2019 zu der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft kam, war er als Investment Performance Analyst innerhalb der Allianz SE Gruppe tätig. Er hat einen Bachelor- und Masterabschluss in Volkswirtschaftslehre von der Universität Regensburg.

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