Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

für die Woche vom 27. April – 01. Mai 2020

DAX

Die internationalen Börsen befinden sich weiterhin in einem Findungsprozess. Es bleibt ein Zerren zwischen Hoffen und Bangen. Auf der einen Seite möchte niemand einen plötzlichen Anstieg verpassen, auf der anderen Seite herrscht die Angst davor, es könnte zu einem erneuten kräftigen Rückschlag kommen. Entsprechend hat sich in den letzten beiden Wochen eine volatile Seitwärtsbewegung etabliert. Noch zu Beginn der letzten Woche sah alles danach aus, als könnte der DAX ohne Schwierigkeiten Richtung der Marke von 11.000 Punkten laufen. Der Dax büßte seine Gewinne jedoch schnell wieder ein, als es am Rohölmarkt erneut zu Kurs-Kapriolen kam. Auf Wochensicht verzeichnete der DAX ein Minus von 2,73 %. In der heutigen Eröffnung unternimmt der deutsche Standardwerteindex einen erneuten Anlauf, sich in Richtung 11.000 Punkten zu bewegen. Wenn man die Lage rein technisch betrachtet, sieht es gar nicht so schlecht aus. Der DAX hat im Bereich der langfristigen Unterstützung gedreht und einen neuen kurzfristigen Aufwärtstrend etabliert. Dabei haben die Indikatoren unterstützt. Der MACD-Indikator steht kurz davor das Kaufsignal des Stochastik-Indikators zu bestätigen. Trotzdem ist die Situation noch nicht ausgestanden, da jede neue Nachricht wieder für Turbulenzen sorgen kann. In diesem Umfeld ist es daher wichtig, dass die Marke von 10.279 Punkten nicht unterschritten wird.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag mit einem Punktestand von 2.809 Punkten aus dem Handel und erzielte auf Wochensicht einen Kursverlust von -2,74 %. Die europäischen Aktienmärkte büßten ihre Vorwochengewinne ein, nachdem Ölpreis-Kapriolen dafür sorgten, dass erstmals in der Geschichte Öl (WTI Mai Futures-Kontrakte) kurz vor ihrem Ablauf negatives Territorium bis zu minus 40 USD betraten. Die Marktvolatilität pendelt sich seit Anfang April zwar immer noch auf hohem Niveau ein, verdeutlicht jedoch, dass der Markt die negativen Nachrichten angemessener einpreist und den Blick auf die langfristigeren Auswirkungen der Corona-Krise legen kann. Technisch betrachtet, hat sich zu den Vorwochen wenig verändert, da sich der Euro Stoxx 50 weiterhin innerhalb seiner angedeuteten Trading Range befindet. Als stabile Unterstützungszone hat sich die 2.800 Marke seit Anfang Mai erwiesen. Sollte diese nachhaltig einbrechen, sind rasche Abschwünge bis zum unteren Bollinger-Band bei ca. 2.680 Punkte möglich. In einem Aufwärtsszenario erweist sich das obere Bollinger-Band und das Tageshoch vom 14. April 2020 bei ca. 2.950 Punkten als Wiederstandbereich. Fundamental betrachtet, erwarten uns diese Woche BIP Zahlen für die Euro-Zone und ein großer Schwung weiterer Quartalszahlen (z.B. Daimler, Volkswagen, Deutsche Bank, etc.).

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones korrigierte in der vergangenen Woche nicht ganz unerwartet um 1,9 %. Er schloss bei 23.775 Punkten. Die Konsolidierung ist insbesondere einem schwachen Wochenauftakt zuzuschreiben. Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass der Russell 2000 einen Kursgewinn von 0,3 % erzielen konnte und auch der Nasdaq Composite nur um 0,2 % konsolidierte. Für Unruhe diese Woche sorgte der Ölpreis der Rohölsorte WTI, der für Fälligkeit im Mai mit einem Preis von -37,63 USD kurzfristig sogar negativ wurde, da die Bereitschaft der Marktteilnehmer, sich angesichts voller Öllager Öl ausliefern lassen zu wollen, praktisch nicht vorhanden war. Der Preis für Öl war in der bisherigen Geschichte noch nie negativ geworden. Zurück zu den Aktienmärkten, die kurzfristige technische Überhitzung der US-Börsen konnte in der letzten Woche etwas abgebaut werden, so dass wir für die kommende Woche in der Summe von einem positiven Handelsverlauf ausgehen. Heute sollte dem Dow Jones bereits bei Markteröffnung der Sprung über die 50-Tage-Linie (aktuell bei 23.975 Punkten) gelingen, so dass als nächstes Kursziel die Schließung des Gaps bei 25.227 Punkten (vom 6. März 2020) möglich erscheint. Um dies zu erreichen, müssen wir in dieser Woche jedoch eine deutlich robustere Marktcharakteristik sehen, was wir noch für möglich halten, denn der technische bedingte Gegenwind sollte diese Woche nachlassen. Ein immer noch sehr negatives Sentiment könnte die aktuelle Rallye durchaus verlängern, so dass das Erreichen der 200-Tage-Linie (aktuell bei 26.601 Punkten) immer noch ein realistisches Kursziel der aktuellen Bewegung in den nächsten Wochen darstellen könnte. Auf der Unterseite verläuft die 38-Tage-Linie (aktuell bei 22.718 Punkten) und stellt die nächste Unterstützung dar.

Bund-Future

Der Bund-Future notiert aktuell bei 172,75 Punkten. Auf Wochenbasis bedeutet dies ein Minus von 9 Ticks. Der am Freitag veröffentlichte ifo-Index verdeutlichte den Stimmungseinbruch in der deutschen Wirtschaft und sorgte für Unterstützung bei EWU-Kernanleihen. Die in dieser Woche anstehenden Sitzungen von Fed und EZB dürften keine Änderung der Risikoaversion unter den Anlegern bewirken. Als positiv schätzen wir, dass der seit dem Tief vom 19. März bestehende Aufwärtstrend (aktuell bei 171,69) Bestand hat. Trotzdem weist der niedrige ADX-Indikator eher darauf hin, dass der Bund-Future richtungslos tendiert. Dies wird zugleich von den technischen Indikatoren bestätigt. Der Spielraum nach oben scheint durch die eng beieinander liegenden 90- und 200-Tage-Linien (173,02 bzw. 173,39) begrenzt. Erst ein Anstieg über die letztgenannte Marke bietet weiteres Potential bis 174 Punkten.

Einschätzung

An unserer Einschätzung, dass es sich bei der aktuellen Aufwärtsbewegung um eine Bärenmarktrallye handelt, halten wir fest.

Stand: 27. April 2020 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

Gemälde GL-Saal

Christian Curac

Der zertifizierte Chartered Financial Analyst® (CFA®) ist Mitglied des Fondsmanagement Teams. Bevor er 2019 zu der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft kam, war er als Investment Performance Analyst innerhalb der Allianz SE Gruppe tätig. Er hat einen Bachelor- und Masterabschluss in Volkswirtschaftslehre von der Universität Regensburg.

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