Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

für die Woche vom 03. – 07. August 2020

DAX

Der DAX ging am Freitag mit einem Punktestand von 12.313 Punkten aus dem Handel und beendete die Woche mit einem Minus von 4,07 %. Die Entwicklung beim DAX wurde primär von zwei Faktoren belastet. In der letzten Woche wurden BIP-Zahlen für die Eurozone und auch Deutschland veröffentlicht. Die Daten zeigen, dass der konjunkturelle Einbruch im zweiten Quartal deutlich stärker ausfiel, als dies geschätzt wurde. Zugleich wird deutlich, dass eine schnelle V-förmige Konjunkturerholung wohl eher unterbleiben dürfte. Dies hängt auch damit zusammen, dass in vielen Ländern die Covid-19 Fallzahlen massiv ansteigen und damit die Gefahr einer zweiten Welle. Für den deutlichen Einbruch beim DAX in der letzten Woche dürfte zudem die Saisonalität eine Rolle spielen. Die schwache Phase hat wohl begonnen und dürfte den DAX unter Druck setzen. Zugleich weist der MACD eine negative Divergenz zum Index auf und wir verzeichnen seit Wochenmitte leicht anziehende Umsätze. Auch wenn der Wochenstart eine freundliche Tendenz aufweist, ist in Summe eher mit weiteren Abgaben zu rechnen.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag mit einem Punktestand von 3.310 Punkten aus dem Handel und erzielte auf Wochensicht einen Kursverlust von 1,62 %. Nach einem starken Wochenstart in der vergangenen Woche, gaben die europäischen Aktienmärkte zum Wochenausklang deutlich nach, nachdem die Infektionszahlen wieder anstiegen und Lockerungen partiell wieder zurückgenommen werden mussten. Zudem nahmen die Spannungen zwischen den USA und China wieder zu und manche Technologieunternehmen konnten die hochgesteckten Erwartungen an das zweite Quartal nicht erfüllen. Charttechnisch betrachtet, konnte die wichtige 200-Tage-Linie bei 3.353 Punkten nicht gehalten werden, sodass das positive Aufwärtsmomentum aus den vergangenen Wochen nicht aufrechterhalten werden konnte. Die Marktbreite hat sich ebenfalls verschlechtert, da im Vergleich zur Vorwoche als noch knapp 90 % der Euro Stoxx 50 Unternehmen über ihrer 50-Tage-Linie lagen, es diese Woche nur noch knapp 50 % sind. In Kombination mit den sinkenden Handelsumsätzen und überdurchschnittlichen VStoxx Werten befindet sich der Euro Stoxx 50 somit weiterhin in einem fragilen Zustand. In einem Abwärtsszenario bildet das untere Bollinger-Band bei 3.228 Punkten einen Unterstützungsbereich. Fundamental betrachtet, publizieren zahlreiche Unternehmen ihre Quartalsergebnisse diese Woche und am Mittwoch findet die Fed-Zinssitzung statt.

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones korrigierte in der vergangenen Woche um 0,2 % und schloss bei 26.428 Punkten. Damit entwickelte sich der Dow Jones gegen den Trend negativ, während der S&P 500 um 1,7 % fester und der Nasdaq Composite sogar um 3,7 % zulegen konnte. Gute Quartalszahlen der großen Technologiewerte Apple, Amazon, Alphabet und Facebook sorgten am Donnerstag für einen positiven Impuls. Apple ist mit fast 10 % Gewichtung der größte Titel im Dow Jones und sorgte mit einem Kurssprung von über 10 % allein am Freitag für eine weitgehend stabile Entwicklung des Dow. Zyklische Aktien taten sich diese Woche schwer, nach der Veröffentlichung von schwachen US-Wachstumszahlen für das zweite Quartal. So testete der Dow Jones in der vergangenen Woche zweimal die 200-Tage-Linie (aktuell bei 26.228 Punkten), spätestens im Bereich von 26.000 Punkten fanden sich Käufer und hoben den Index wieder über dieses aus mittelfristiger Sicht sehr wichtige charttechnisches Level. Neben der 27.000 Punkte-Marke, die sich in den letzten Wochen als Widerstand gezeigt hat, muss der Dow das Verlaufshoch vom 8. Juni bei 27.580 Punkten überwinden, um weiteres Potenzial in Richtung des nächsten Gaps bei 28.403 Punkten entwickeln zu können. Ein Überschreiten dieses Levels halten wir jedoch ohne vorherige Konsolidierung für wenig wahrscheinlich und gehen davon aus, dass das Aufwärtspotenzial auf Sicht der nächsten Wochen begrenzt ist. Auf der Unterseite ist die 200-Tage-Linie die nächste Unterstützung (aktuell bei 26.228 Punkten), auch im Bereich von 25.000 Punkten sehen wir den Dow Jones gut unterstützt. Dennoch wäre eine Konsolidierung zumindest bis in den Bereich von 24.000 Punkten ideal. Aus unserer Sicht überwiegen aktuell nach wie vor die Risiken, so dass wir das Aufwärtspotenzial für begrenzt halten. Wir sehen die US-Börsen aktuell an einer entscheidenden Position, denn bei der Rallye der letzten Wochen könnte es sich lediglich um eine Bärenmarktrallye gehandelt haben. Dann müssten sich die Marktteilnehmer jetzt defensiver positionieren. Die US-Indizes müssten sich aktuell stabil über der 200-Tage-Linie halten, um eine Bestätigung für weiteres Aufwärtspotenzial generieren zu können.

Bund-Future

Der Bund-Future notiert derzeit bei 177,31 Prozentpunkten. Einhergehend mit der Schwäche an den Aktienmärkten gelang dem Bund-Future der Anstieg über die Marke von 177 Prozentpunkten. Allerdings besteht die negative Divergenz beim MACD fort und zugleich weist die Stochastik ein Verkaufssignal auf. Wir können uns vorstellen, dass der Bund-Future erneut unter die Marke von 177 Prozentpunkten fällt. Auf der Unterseite finden sich Haltemarken bei 176 sowie 175,54 Prozentpunkten.

Einschätzung

Die Aktienmärkte tendieren aufgrund der Saisonalität und der vermehrt aufkommenden Angst von einer zweiten Pandemiewelle eher abwartend und in der Tendenz mit fallenden Kursen. Wir bleiben daher weiter bei Aktieninvestment untergewichtet.

Stand: 03. August 2020 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

Gemälde GL-Saal
Christian Barth

Christian Barth

Der Diplom-Betriebswirt (FH) und Bankkaufmann ist seit 1998 bei der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft beschäftigt. Nach der Tätigkeit im Private Banking ist er nun im Bereich Fondsmanagement tätig. Seine Aufgaben umfassen das Management von drei Dachfonds sowie die Analyse von zahlreichen Aktien-, Renten- und Immobilienmärkten.

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