Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

für die Woche vom 28.11. – 02.12.2022

DAX

Die letzten beiden Wochen waren eher datenarm, dafür stehen in den kommenden Wochen wieder eine Reihe von Konjunkturdaten auf der Agenda, welche die Volatilität an den Aktienmärkten erneut anziehen lassen dürften. So geht der V-DAX seit zwei Monaten wieder zurück und erreichte zuletzt die Marke von unter 20. Im Fokus stehen diese Woche vor allem Preisdaten. Bereits morgen kommen entsprechende Daten aus Deutschland und am Mittwoch werden die Inflationsdaten aus der Eurozone veröffentlicht. Wir erwarten einen leichten Rückgang, bevor im Dezember die Preise erneut anziehen dürften. Nach den jüngsten Kursgewinnen sollte die Erholung an den Börsen nun an Fahrt verlieren. Wir halten eine längere Konsolidierung für nicht unwahrscheinlich. Bereits heute gehen wir von einem schwächeren Start beim DAX aus. Vor allem die negativen Vorgaben von den asiatischen Märkten sollten für rückläufige Kurse sprechen, zumal auch die Futures für den amerikanischen Markt aktuell im negativen Bereich notieren. Erste Unterstützungen finden sich bei 14.149/14.157 Punkten. Ein Bruch dieser Marke bietet Platz bis zur 200-Tage-Linie bei 13.548 Punkten. Auf der Oberseite billigen wir dem DAX aktuell einen Anstieg bis 14.800 Punkten zu.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag mit einem Punktestand von 3.962 Punkten aus dem Handel und legte auf Wochensicht 0,97 % zu. Der Mediensektor konnte sich mit einem Zuwachs von 3,64 % am besten entwickeln, wohingegen der Autosektor als Schlusslicht nur 0,16 % zulegte. Charttechnisch betrachtet, baut der Euro Stoxx 50 seinen Aufwärtstrend aus und rangiert knapp unter dem 61,8 % Fibonacci-Retracements bei 3.969 Punkten. Dieses Niveau wurde zuletzt im März 2022 erreicht. Auf dem Weg dahin ist der Euro Stoxx 50 in den vergangenen sechs Monaten an dem 50 % Fibonacci-Retracement bei 3.832 Punkten gescheitert, das bis vor Kurzem eine unüberwindbare Hürde darstellte. Auf der Oberseite sehen wir derzeit wenige Spielraum, da das Momentum merklich abnimmt und der Euro Stoxx 50 im überkauften Marktbereich am oberen Rand seines Schwankungsbandes angekommen ist. Die Ausweitung der Proteste in China gegen die restriktive Corona-Politik belastet zum heutigen Börsenstart die Stimmung. Daher sollte die Unterseite weiterhin im Blick behalten werden. Das 50 % Fibonacci-Retracement bei 3.832 Punkten sollte einen markanten Wendpunkt darstellen, der als erste Unterstützungszone Orientierung liefern könnte. Fundamental betrachtet, steht uns eine ereignisreiche Woche mit einigen volkswirtschaftlichen Veröffentlichungen in Europa und in den USA bevor, die einen Einfluss auf den Aktienmarkt haben könnten.

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones erzielte in der vergangenen Woche einen Wertzuwachs von 1,8 %. Er schloss bei 34.347 Punkten. Die Handelswoche um Thanksgiving war somit auch in diesem Jahr positiv, wobei alle elf Sektoren des S&P 500 im Plus schließen konnten, angeführt von Basisrohstoffen (+3 %) und Versorgern (+2,9 %). Die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der letzten US-Notenbanksitzung festigte die Tendenz, dass mit einer Verlangsamung der Zinserhöhungen zu rechnen ist, was zu einer Renditesenkung der 10-jährigen US-Staatsanleihe auf 3,69 % führte. Dies führte dazu, dass dem Dow Jones nach einer Konsolidierungsphase der Sprung über die eher psychologisch relevante Marke von 34.000 Punkten gelang und mit einem Intraday-Hoch von 34.384 Punkten das Verlaufshoch von Mitte August bei 34.286 Punkten angreifen konnte. Wir sehen in dieser Woche noch Luft für weitere Kursgewinne, die bis zum Bereich von 34.800 Punkten führen könnten. Auf der Unterseite liegt die nächste Unterstützung bei 33.269 Punkten. Insgesamt sehen wir den Dow im weiteren Verlauf nach dem starken Anstieg seit Ende September als eher erschöpft an und rechnen eher mit höherer Volatilität Anfang Dezember.

Bund-Future

Der Rentenmarkt ist auf Richtungssuche. Nach verhaltenem Wochenstart gingen die Renditen zum Wochenende deutlich nach unten. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die gestiegenen EZB-Zinserwartungen. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass auf der Dezember-Sitzung eine Zinsanhebung von 75 Bp verabschiedet wird, da am letzten Donnerstag das Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel dafür plädierte, das Straffungstempo hochzuhalten, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der Bund-Future schloss die Woche bei 140,49 %-Punkten auf demselben Niveau, wie am letzten Montag. In der heutigen Eröffnung tendiert der Bund deutlich höher. Allerdings notiert er weit entfernt vom Hoch aus der letzten Woche bei 142,60 %-Punkten. Dieser Anstieg scheint jedoch nicht gerechtfertigt, angesichts der anhaltenden Risiken. Zugleich bildet diese Marke zusammen mit dem Oktoberhoch bei 142,87 %-Punkten einen starken Widerstand. Auf der Unterseite sollte die Marke von 140 %-Prozentpunkten halten, ansonsten drohen schnell weitere Abgaben bis zur 55-Tage-Linie bei 139,01 %-Punkten.

Einschätzung

Auffällig in diesem zuletzt positiven Umfeld ist, dass die Abflüsse aus europäischen Aktienfonds seit nunmehr rekordhohen 41 Wochen anhalten. Hinzu kommt, dass die viel beachtete monatliche Umfrage der Bank of America unter Fondsmanager deren hohen Pessimismus aufzeigt. Wichtig dürfte werden, wie sich die Entwicklung in China in den nächsten Wochen darstellt, da die Null-Covid-Strategie im Einklang mit den stark steigenden Fallzahlen zu Protesten der Bevölkerung führen und sich zu einem nicht kalkulierbaren Risiko entwickeln könnte. Wir gehen daher in den kommenden Tagen von einer Konsolidierung an den Börsen aus.

 

Stand: 28. November 2022 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

Dieter Langenbucher

Dieter Langenbucher

Der Diplom-Kaufmann univ. ist seit 2005 Portfoliomanager bei der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft und managt den FFPB MultiTrend Flex und den FFPB Rendite. Zudem ist er Mitglied des Anlageausschusses für institutionelle Mandate. Sein besonderes Interesse gilt der Marktstrategie.

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