Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

für die Woche vom 13. – 17.03.2023

DAX

Nach einem ruhigen Handel kam zum Wochenschluss nochmals Volatilität in den Aktienmarkt. Auslöser waren die Turbulenzen um die Silicon Valley Bank (SVB), die nach massiven Mittelabflüssen kollabierte. Nicht wenige Anleger sahen sich an den Beginn der Finanzkrise 2008 erinnert und trennten sich vor allem von Bankaktien. Die US-Notenbank will sich am heutigen Montag zu einer außerordentlichen Sitzung des Gouverneursrats treffen. Nachdem sich die US-Future in der Nacht auf Montag deutlich erholten, startet der DAX dennoch mit einem roten Vorzeichen. Lediglich die Aktie der Deutschen Post kann von der Tarifeinigung am Wochenende profitieren und liegt über 2 % im Plus. Aktuell sieht es danach aus, als würde der DAX sowohl die 38-Tage-Linie (aktuell bei 15.350 Punkten) wie auch das Tief vom Freitag bei 15.316 Punkten testen wollen. Kurse unter der letztgenannten Marke würden wohl den DAX bis 15.150 Punkten führen. Sollten die Börsenakteure jedoch der Meinung sein, dass eigentlich nichts Wesentliches passiert sei, so könnte der DAX bis 15.480/15.525 Punkten steigen.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 schloss am Freitag mit 4.229 Punkten und verlor auf Wochensicht 1,51 %. Das Jahreshoch von 4.313 Punkten konnte in der Vorwoche nicht verteidigt werden. Die europäischen Aktienmärkte erlitten am Freitag den stärksten Rückgang seit fast zwei Monaten, nachdem die US-Aufsichtsbehörden die in Schwierigkeiten geratene Silicon Valley Bank geschlossen hatten. Infolgedessen fielen die Bank- und Finanzdienstleistungsaktien am Freitag um 3,78. Obwohl die meisten Bankenexperten keine systemische Bedrohung durch die Schließung der SVB sehen und die US-Regulatoren am Sonntag die Einlagen der SVB absicherten, verdeutlicht dieser Vorfall die Nebenwirkungen von zu schnellen Leitzinserhöhungen. Charttechnisch konnte als bullisches Signal das Jahreshoch nicht gehalten werden. Nach dem starken Rückgang zum Wochenausklang ist die erste Unterstützung bei 4.200 Punkten relevant. In den letzten Wochen überwog das Kaufinteresse in diesem Bereich. Eine Ausweitung des Verkaufsdrucks könnte jedoch einen Test der zweiten Unterstützungszone bei dem 76,4 % Fibonacci-Retracements bei 4.070 Punkten auslösen. Eine dynamische Erholung zurück zum Jahreshoch ist wiederum möglich, falls die Nervosität nachlässt und die US-Inflationszahlen am Dienstag schwächer als erwartet ausfallen. Zum Wochenstart deutet sich jedoch eine Weiterführung des Verkaufsdrucks an. Am Donnerstag tagt die EZB und wird höchstwahrscheinlich mit Blick auf die EU-Inflationsraten, die im Februar bei 8,5 % lagen, die Leitzinsen um 0,5 % anheben. Im Rahmen der langsam auslaufenden Berichtssaison in Europa veröffentlichen in dieser Woche u. a. VW, Porsche, BMW und Vonovia ihre Quartalsergebnisse.

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones verlor in der vergangenen Woche 4,4 % an Wert. Er schloss bei 31.910 Punkten. Besonders schlecht lief es für kleinere Unternehmen, der Russell 2000 verlor 8,1 %. Die Gründe hierfür lagen in strengeren Aussagen von US-Notenbankpräsident Powell, wonach die zuletzt besser als erwartet ausgefallenen Makrodaten zu einem höheren Zinsumfeld führen werden. Dies lies die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte im März nach oben schnellen, ehe eine Schieflage der SVB Bank dies erneut umkehrte. Die 16. größte Bank der USA ging innerhalb weniger Tage unter und sorgte für großen Druck im Finanzsektor, der 8,5 % auf Wochenbasis nachgab. Durch den schwachen Verlauf rutschte der Dow Jones unter die wichtige 200-Tage-Linie, die aktuell bei 32.389 Punkten verläuft. Aus unserer Sicht spricht der Weg des geringsten Widerstands in dieser Woche noch für sinkende Kurse, insofern geben wir Stabilisierungsversuchen an der 200-Tage-Linie, die durch die unterstützenden Maßnahmen der US-Notenbank für den Bankensektor ausgelöst werden könnten, nur eine geringe Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Aufgrund der Marktcharakteristik und der noch nicht überverkauften Indikatorenlage sollte die nächste Unterstützung bei 31.544 Punkten (Verlaufshoch von Ende Juni 2022) nur eine Durchgangsstation sein. Ein Test der Marke bei 30.296 Punkten hingegen würde für einen ausgewaschenen Markt sorgen und würde wieder die Chancen in den Vordergrund rücken.

Bund-Future

Als der Bund-Future am Donnerstag mit 131,07 %-Punkten aus dem Handel ging, konnte niemand die Ereignisse der nächsten Tage vorhersehen. Der Kollaps der SVB-Bank sorgte dafür, dass Anleger dies- und jenseits des Atlantiks die Flucht in Qualität antraten. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen fiel seit Donnerstag um knapp 27 Basispunkte und mit der Rendite der Schatzanweisungen ging es so stark bergauf wie seit Juli letzten Jahres nicht mehr. Der Bund-Future steigt heute bis 134,92 %-Punkte und liegt somit in der Nähe der 38-Tage-Linie, die bei 135,25 %-Punkten verläuft. Parallel zu dem Kollaps haben sich die Zinserwartungen stark verändert. Goldman Sachs geht sogar davon aus, dass die Fed auf ihrer Sitzung im März die Zinsen unverändert lässt. Insgesamt herrscht Konsens, dass die Fed die Zinsen noch bis 500-525 Bp erhöhen könnte und somit deutlich weniger als noch zu Beginn der letzten Woche.

Einschätzung

Trotz der Bereitschaft der nationalen Notenbanken zu Marktstützungsmaßnamen, bleiben die europäischen Börsen unter Druck. Wir würden die kommenden Tage abwarten, um ein genaueres Bild der Lage zu erhalten.

 

Stand: 13. März 2023 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

Christian Barth

Christian Barth

Der Diplom-Betriebswirt (FH) und Bankkaufmann ist seit 1998 bei der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft beschäftigt. Im Fondsmanagement verantwortet er drei Dachfonds sowie die Analyse von zahlreichen Aktien-, Renten- und Immobilienmärkten.

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