Virus schockt die Börsen

Kommentar

Noch am 14. Februar 2020 war im Dow Jones Nachrichtennetz zu lesen, dass sich die Aktienmärkte angesichts der durch das Coronavirus ausgelösten steigenden Erkrankungszahlen erstaunlich robust zeigen. Seit Anfang dieser Woche sind jedoch deutliche Kurseinbrüche an den weltweiten Börsen zu verzeichnen. Insbesondere der dramatische Anstieg der Infizierten außerhalb Chinas und die Tatsache, dass das Virus endgültig in Europa angekommen ist, schockiert die Aktienmärkte.

Es herrscht zunehmend Unsicherheit darüber, welche Konsequenzen die weitere Ausbreitung des Virus auf die Weltwirtschaft haben wird. Die Hauptgefahr besteht in einer anhaltenden Unterbrechung der internationalen Lieferketten. Deren Komplexität stellt zunehmend eine Achillesferse für die globalisierte Wirtschaft dar. Bislang gibt es kaum Erfahrungen mit einer nachhaltigen Unterbrechung von Lieferketten. Am ehesten kann man auf das Unglück von Fukushima blicken. Aber damals waren die Produktionsunterbrechungen nur kurz und vor allem auf Japan beschränkt.

Was in China passiert, strahlt wegen des fast 20 Prozent großen Anteils des Landes am globalen Bruttoinlandsprodukt sehr stark auf die Weltwirtschaft aus, von deren Wohl wiederum die exportorientierte deutsche Wirtschaft stark abhängig ist. Zugleich unterhalten viele deutsche Unternehmen Produktionsstätten in China oder setzen einen Großteil ihrer Produkte dort ab. Noch kann niemand einschätzen, welche wirtschaftlichen Auswirkung drohen. Der IWF geht lediglich von einem Rückgang des globalen Bruttoinlandsproduktes von 0,1 Prozent aus. Das erscheint vor den bislang bekannten Fakten als sehr optimistisch. Eine länger anhaltende Pandemie könnte zu einem weitaus ernsthafteren dauerhaften ökonomischen Einbruch führen. Trotz dieser deutlich eingetrübten Stimmung darf aber nicht vergessen werden, dass insbesondere die US-Notenbank über ein wirksames Arsenal an möglichen geldpolitischen Maßnahmen verfügt, um auf seine sich weiter zuspitzende Entwicklung reagieren zu können.

Obwohl die jüngsten Kursturbulenzen auch an den von uns verwalteten Mandaten nicht vorübergegangen sind, konnten wir uns gut behaupten. Wir haben schon im Vorfeld die Strategien so ausgerichtet, dass wir Gegenpositionen für diesen Fall integriert haben. Die hohe Goldgewichtung (ETC und Gold Bugs ETF), längere Renten und Discounter haben die letzten Bewegungen in den Portfolios abgemildert. Mit der vorhandenen Einzelaktienauswahl fühlen wir uns weiter gut aufgestellt. Für die nächsten Wochen erwarten wir weiterhin höhere Volatilitäten aber auch mögliche Chancen, die sich in turbulenten Marktphasen zwangsläufig auftun.

Norbert Frey

Norbert Frey

Leiter Fondsmanagement. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften war er bei Banken und Versicherungen tätig und verfügt über eine mehr als 30-jährige Berufserfahrung.

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