Angst vor russischer Invasion verschreckt Anleger

Trotzdem verhaltener Optimismus für den Jahresverlauf

Nach den USA haben zahlreiche andere westliche Staaten ihre Bürger zum Verlassen der Ukraine aufgefordert. Ähnlich haben Anleger reagiert und sind aus risikoreichen Aktienanlagen geflüchtet. Sie treibt die Sorge vor einem russischen Einmarsch, meint Andrea Greisel vom Asset Management der Fürst Fugger Privatbank: „Im Falle einer russischen Invasion würden die Risikoprämien an den Aktienmärkten nochmals weiter anziehen und zugleich die Preise für Energie und Getreide weiter steigen. Das würde erheblichen Druck auf die Märkte ausüben.“

Die Märkte seien ohnehin bereits in Aufruhr, da befürchtet würde, dass die Zinsen in den USA schneller steigen könnten als ursprünglich gedacht. Mit 7,5 % sei die US-Inflation 2021 auf den höchsten Wert seit 40 Jahren gestiegen. Die Anleger erwarteten nun eine kräftige Straffung der Geldpolitik seitens der Fed und auch die Europäische Zentralbank habe eine geldpolitisch restriktivere Rhetorik angeschlagen, so Andrea Greisel: „Dass die EZB den geldpolitischen Ton etwas verschärft, ist noch nichts Negatives. Viel beunruhigender wäre es, wenn sie weiterhin den Inflationsdruck ignorieren würde.“

Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass Zinserhöhungen und ein schlechtes politisches Stimmungsbild oft nur kurzfristige Rücksetzer zur Folge gehabt hätten. So hätten bei fast allen US-Zinserhöhungszyklen seit Anfang der 70er Jahre die Aktienmärkte unter dem Strich zulegen können. Greisels Einschätzung: „Die aktuellen Kursrückschläge halten wir für übertrieben. Es hängt jedoch viel davon ab, wie die US-Notenbank ihre neue Geldpolitik umsetzt, denn das Vertrauen in die Notenbanken ist zumindest angeschlagen.“

In den nächsten Wochen sei daher mit zum Teil stark schwankenden Märkten zu rechnen, Tendenz seitwärts- oder leicht fallend. „Diese Phase gibt Gelegenheit zum Aufbau dividendenstarker Valuewerte und gut positionierter Wachstumstitel“, so Greisel. „Wir setzen weiterhin auf eine gesunde Mischung zwischen Value und Wachstum, denn insbesondere im Gesundheitssektor sind die Bewertungen attraktiv und liegen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.“ Die Fürst Fugger Privatbank bleibe grundsätzlich strategisch leicht übergewichtet. Die Kombination aus niedrigen Realzinsen, starkem Wachstum und angemessenen Bewertungen sollte Aktien langfristig stützen, meint Greisel, schränkt jedoch ein: „Mit Blick auf die Ukrainekrise positionieren wir uns etwas vorsichtiger und halten genügend Liquidität, um bei erneuten Rücksetzern handeln zu können. Auch wenn aktuell die Belastungsfaktoren dominieren, sind wir nicht pessimistisch für den weiteren Jahresverlauf.“

Andrea Greisel

Andrea Greisel

Vorstandsreferentin und Mitarbeiterin im Asset Management der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft. Nach zehnjähriger Tätigkeit im Investment Banking einer bayerischen Großbank trat die Bankkauffrau mit der Zusatzausbildung AIM (Applied Investment Management der DVFA) 2010 in die Bank ein. Neben ihren Aufgaben im Asset Management ist sie mitverantwortlich für die Umsetzung der Digitalisierungsprojekte und Nachhaltigkeitsstrategien der Bank.

News­letter

Möchten Sie mehr über unsere Leistungen erfahren? Melden Sie sich für unseren Newsletter an:

Anmelden

Wählen Sie Ihre Newsletter

Datenschutz*

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Dies könnte Sie auch interessieren:

Aktien

Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

Christian Curac
Christian Curac
14. Februar 2022

Aktien

Big Tech an der Börse: Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

Christoph Mertens
Christoph Mertens
9. Februar 2022