Die Gewinne wachsen in die Bewertungen

Liquidität wartet auf Chancen

Auch wenn es in den letzten Wochen ein wenig Bewegung an den Märkten gab, ist eines gleichgeblieben: es wartet unglaublich viel Liquidität darauf, angelegt zu werden. Sobald die Märkte (wie zuletzt) einmal kräftiger fallen, nutzen die Anleger die Situation zum Nachkaufen.

Dabei ist auch die weltweit massiv zunehmende Anzahl von Kleinaktionären mit einem regelrechten Boom an Onlinedepots derzeit noch kein Problem. Vielleicht mit einem kleinen Ausrufezeichen hinter „noch“. Manches, was derzeit in den unterschiedlichen Medien zu lesen ist, weckt Erinnerungen an die sogenannte „Milchmädchen Hausse” aus den 90ern, die ihr jähes Ende im Platzen der Dotcom-Blase fand. Spätestens seitdem wissen wir, dass Kleinanleger meist zittrige Hände haben. Darauf sollte man ein Auge haben.

Gab es vor Monaten noch gute Gründe, die Aktienbewertungen als zu hoch, zumindest aber als sehr hoch einzuschätzen, haben die starken Gewinnsteigerungen der Unternehmen die Bewertungen ihrer Aktien mittlerweile eingeholt. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der DAX-Konzerne inzwischen wieder bei günstigen 14. Dabei beginnen sich die Konjunkturprogramme jetzt erst zu entfalten und werden sich bis weit nach 2022 auswirken. Hier können wir also weiterhin einen positiven Einfluss auf die Gewinne der Konzerne erwarten.

Im Rahmen der Branchenrotation lagen die US-Technologiewerte, die so lange für steigende Kurse gesorgt hatten, in den letzten Monaten etwas hinter den klassischen Value-Werten zurück. Inzwischen konnten sie aber nicht nur Boden gutmachen, sondern die Value-Titel wieder deutlich überflügeln. Folgerichtig behalten wir unsere positive Stimmung und Schwerpunkte einschließlich der Gewichtung in Tech-Titeln bei.

Als Vermögensverwalter haben wir derzeit die Qual der Wahl eher auf der Verkaufsseite als auf der Kaufseite. So führten die Kursgewinne der letzten Monate beispielsweise dazu, dass wir in unserer Vermögensverwaltung die maximalen Aktienquoten nicht nur ausnutzen, sondern teilweise auch überschreiten. Es gibt aber durchaus schlimmere Probleme.

Ob Halbleiter oder Bauholz: Wegen der branchen- und regionsübergreifenden Knappheit vieler Güter wird die Inflation wohl noch ein wenig weiter nach oben gehen – bevor sie wieder fällt. Dieses temporäre Inflationshoch könnte noch einmal für einen positiven Impuls beim Gold sorgen.

Nichts Neues gibt es bei den Rentenpapieren zu vermelden: Sie verharren im Performancetief. Auch wenn die Notenbanken (FED: frühestens 2023, EZB frühestens 2025) noch lange keine Zinssteigerungen vornehmen, sorgt alleine die vage Möglichkeit eines Taperings für Unsicherheit – bei Niedrigstrenditen.

Fazit: Festverzinsliche Papiere bleiben unattraktiv, die voraussichtlich vorübergehende Inflation könnte Gold ein wenig beflügeln, die Konjunkturprogramme werden den Unternehmen weiter Rückenwind geben und die US Tech-Werte (Maßstab Nasdaq) sind wieder zu alter Form aufgelaufen. Wir rechnen daher auch in den kommenden Monaten mit guten Kursentwicklungen auf der Aktienseite.

Rainer Weyrauch

Leiter der Niederlassung Köln, Mitglied des Dreiermanagementgremiums für die zentrale und unabhängige Vermögensverwaltung der FFPB. Verantwortlich für das Management von Spezialfonds und Vermögensverwaltungen für Pensionskassen, Family Offices, Arbeitgeberverbände, Spendenorganisationen, Stiftungen und Unternehmen. Seit 1985 im Renten- und Aktiengeschäft tätig. Financial Planner und Stiftungsexperte.

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