Disruption statt Winterschlaf

Der Herbst an den Börsen

Die Uhren sind auf Winterzeit umgestellt, es wird früh dunkel und die Menschen haben begonnen, sich in ihr Heim zurückzuziehen. Auch die Börsen waren bereits in eine Art Döse-Zustand verfallen und hatten es sich unter einer wärmenden gigantischen Liquiditätsdecke heimelig gemacht.

Weder die US-Wahl noch der Brexit schienen noch Marktbewegungen auszulösen. Und doch: An den Märkten sind bereits die Weichen gestellt worden. Ein Beispiel aus dem DAX: In der 12 Monats-Performance zeigt hier der beste Wert ein Plus von 111 % (Delivery Hero) und der schlechteste Wert ein Minus von 36 % (Bayer). Der DAX selbst liegt insgesamt bei minus 5,6 %.

Ungeachtet der Corona-Ängste und Konjunktursorgen, die die Börsen momentan beeinträchtigen, zeigt nicht nur dieses Beispiel, dass die Branchen- und Einzeltitelauswahl immer wichtiger wird. Unser frühzeitiger Schwerpunkt auf Technologiewerte und insbesondere US-Technologiewerte bewährt sich weiterhin. Die relative Stärke dieser Branche bleibt auch auf mittlere Sicht bestehen. Das liegt nicht nur am Gewinnwachstum in diesem Sektor, sondern insbesondere auch an den Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft, die durch Corona noch einmal massiv beschleunigt wurden.

Was wir gerade erleben, ist nicht weniger als eine der tiefgreifendsten Disruptions-Phasen der Geschichte. Fast alle Bereiche unseres Lebens verändern sich – und sie verändern sich schnell und radikal: Büroalltag, Reiseverhalten, Mobilität, Einkaufsverhalten, Kommunikationsmedien, Kommunikationsverhalten, Innenstädte, Energieversorgung, Nachhaltigkeit, Banken, Fernsehverhalten, Digitalisierung – kurz: fast alles was unser tägliches Leben ausmacht. Überall dort findet gerade ein gewaltiger Umbruch statt, der normalerweise Jahre, wenn nicht Jahrzehnte braucht. Alles ändert sich jedoch in kurzer Zeit.

Umfang, Tiefe und Geschwindigkeit der Veränderungen stellen uns alle vor große Herausforderungen: Wir benötigen dafür eine hohe geistige Flexibilität, um Schritt zu halten. Das gilt auch bei der Ausrichtung der Portfolios. Einfach an Althergebrachtem festzuhalten, wäre fahrlässig, denn vieles davon wird es in einigen Jahren nicht mehr geben. Unsere Aufgabe ist es umso mehr, die Werte herauszufiltern, die von den beschriebenen Entwicklungen profitieren können. Das ist die eigentliche Aufgabe, der wir uns zu stellen haben. Davon dürfen uns einzelne Ereignisse, wie die US-Wahlen oder der Brexit nicht ablenken. Auch wenn sie uns jetzt wichtig erscheinen, dürften sie mit größter Wahrscheinlichkeit nur kurzfristige Auswirkungen haben. Die großen Veränderungen laufen jedoch im Hintergrund unaufhaltsam weiter. Wir erwarten volatilere Märkte und glauben, dass sie in den kommenden Wochen gute Einstiegsmöglichkeiten bieten werden. Dafür halten wir ausreichend Liquidität vor.

Rainer Weyrauch

Leiter der Niederlassung Köln, Mitglied des Dreiermanagementgremiums für die zentrale und unabhängige Vermögensverwaltung der FFPB. Verantwortlich für das Management von Spezialfonds und Vermögensverwaltungen für Pensionskassen, Family Offices, Arbeitgeberverbände, Spendenorganisationen, Stiftungen und Unternehmen. Seit 1985 im Renten- und Aktiengeschäft tätig. Financial Planner und Stiftungsexperte.

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