Gemengelage aus Inflation und Zins

Monatskommentar März 2023

Die Inflation hat uns fest im Griff. Alle Prognosen der letzten 18 Monate wurden nach oben korrigiert und die Notenbanken überbieten sich zurzeit mit Ansagen zur Bekämpfung der Teuerung. Gleichzeitig hält sich die Inflation in allen Bereichen hartnäckig und verstetigt sich durch zunehmende Zweitrundeneffekte. Die Lohn-Preis-Spirale ist zwar noch nicht richtig in Gang gesetzt worden, erste Anzeichen dafür sind jedoch erkennbar.

Die Konjunktur auf beiden Seiten des Atlantiks ist bemerkenswert stabil und die Unternehmensergebnisse und Aktienmärkte halten sich wacker. Die europäischen Aktienmärkte haben sogar etwas besser performt, weil die befürchteten Energie-Engpässe nicht eingetroffen sind. Die mittelfristigen Wettbewerbsvorteile dürften jedoch auf Seiten der USA liegen, was bislang noch nicht honoriert wird. Die Rentenmärkte haben die Erwartung auf das schnelle Abklingen der Inflation erst einmal aufgegeben. Hier werden weitere Zinserhöhungen eingepreist (Leitzinsen bis zu 6,5 % in den USA und bis zu 4,5 % in Europa). Nach zwei Hoffnungs-Rallyes sind die Staatsanleihen daher noch einmal unter Druck geraten. Die aktuellen Ereignisse am US-Bankenmarkt bergen jedoch durchaus das Potential, dass die Zinsen doch nicht so stark erhöht werden, wie es im Moment noch erwartet wird. Das wäre ein erstes positives Zeichen.

Und es wird weitere Schwankungen geben. An den Aktienmärkten kann es zu deutlicheren Rückgängen kommen, sollten die Zinsen bestimmte Reizniveaus überschreiten. In einigen Branchen sind schon deutliche Bremsspuren sichtbar: Die Baubranche, Start Ups, Private Equity, erste Banken und Projektfinanzierungen sind nur einige Beispiele für die Auswirkungen des gestiegenen Basiszinses. Höhere Zinsen und eine höhere Inflation werden uns noch einige Jahre erhalten bleiben. Folgerichtig könnten in den kommenden Monaten die Aktienmärkte noch einmal nachgeben, bevor sich alle an die neue Normalität gewöhnt haben. Hier könnten sich gute Einstiegsmöglichkeiten bieten.

Wer sich als Anleger die durchaus wieder attraktiven Zinsniveaus mit Anleihen von guten Emittenten gesichert hat, hält damit auch eine mögliche weitere Welle des Zinsanstieges aus. Auf der Aktienseite lohnt sich eine breite Aufstellung mit Werten, die ein krisenfestes Geschäftsmodell verfolgen. Die sollten auch einen möglichen weiteren Rückgang durchhalten. Gleichzeitig ist es klug, etwas Pulver trocken zu halten, um in allen Marktlagen handlungsfähig zu sein. Auch Cash wird inzwischen wieder gut verzinst. Sobald die ersten Kommentare der Notenbanken Entspannung signalisieren, dürfte es nämlich kräftig aufwärts gehen. Wir brauchen dieses Jahr daher Geduld und einen kühlen Kopf, bis sich die Nachrichtenlage um Inflation und Zinsen wieder normalisiert hat.

Rainer Weyrauch

Leiter der Niederlassung Köln, Mitglied des Dreiermanagementgremiums für die klassische Vermögensverwaltung der Fürst Fugger Privatbank. Verantwortlich für das Management von Spezialfonds und Vermögensverwaltungen für Pensionskassen, Family Offices, Arbeitgeberverbände, Spendenorganisationen, Stiftungen und Unternehmen. Seit 1985 im Renten- und Aktiengeschäft tätig. Financial Planner und Stiftungsexperte.

News­letter

Möchten Sie mehr über unsere Leistungen erfahren? Melden Sie sich für unseren Newsletter an:

Anmelden

Wählen Sie Ihre Newsletter

Datenschutz*

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Dies könnte Sie auch interessieren:

Aktien

Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

Christian Barth
Christian Barth
13. März 2023

Aktien

Kaum Spielraum für die Zentralbanken

Andrea Greisel
8. März 2023

Fonds­management

Erwartung trifft auf Realität

Norbert Frey
Norbert Frey
1. März 2023