Höhere Preise sind derzeit kein Grund zur Sorge

Monatskommentar der Vermögensverwaltung für Juli 2021

Was sich schon vor dem Ende des Lockdowns abzeichnete, ist auch eingetreten. Das aufgestaute Geld will raus, und zwar fast überall gleichzeitig: Reisen, Gastronomie, Kultur, Infrastrukturmaßnahmen, Investitionen, Autoneukäufe, privater Konsum in den Städten und vieles mehr. Auf den Konten liegt Erspartes, das in den vergangenen Monaten gar nicht ausgegeben werden konnte. Das holen die Menschen nun nach. Und obendrauf kommen noch gigantische Konjunkturpakete. Alle wollen alles auf einmal. Dadurch steigen zwangsläufig die Preise. Und getreu Murphys Gesetz, dass das, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird, kamen noch preistreibende Faktoren dazu: Der infolge einer Havarie verstopfte Suez-Kanal, der für Lieferengpässe sorgte, oder etwa der in Kanada grassierende Borkenkäfer, der in Europa die Holzpreise in ungekannte Höhen treibt. Ein Grund zur Panik ist das trotzdem nicht, sondern vielmehr ein letztendlich normaler Zyklus, der auch wieder abklingen wird.

Engpässe und Mangel konnten bisher stets durch neue Kapazitäten aufgefangen werden. Zur Erinnerung: Die FFP2-Masken beispielsweise waren anfangs knapp. Nun bekommt man sie in jeder Supermarktkasse. Auch die Inflation und die Nachfrageblase werden sich in den kommenden Quartalen wieder nivellieren. Trotzdem erleben wir in allen großen Wirtschaftsregionen mit fortschreitender Impfquote einen lange nicht gesehenen Wirtschaftsboom. Zweistellige Wachstumsraten in China und ca. 7 % in den USA. Auch Europas Wirtschaft wächst, wenn auch (wie immer) etwas später und nicht ganz so schnell.

Die logische Konsequenz: Bei sehr vielen Unternehmen steigen die Gewinne, teilweise sogar kräftig. Ein guter Grund für Aktien, und nicht der einzige. Zusätzlich zu dem vielen Geld, das angelegt werden möchte, treibt das immer öfter berechnete Verwahrentgelt, also der Negativzins, zusätzlich Geld in die Aktienmärkte. Der Besitz festverzinslicher Wertpapiere hingegen kostet weiterhin echtes Geld und auch Rendite. Aufgrund der sehr niedrigen absoluten (großenteils negativen) Renditen kann dies durchaus auch noch einige Quartale so bleiben.

Fazit: Es hat sich bewährt, Aktienquoten so weit wie möglich auszunutzen. Die Performance ist entsprechend erfreulich. Dazu empfiehlt es sich, noch einige Werte beizumischen, die von temporär steigenden Inflationsraten profitieren können. Ein solcher Mix verspricht für 2021 und auch darüber hinaus weiterhin attraktive Chancen.

Rainer Weyrauch

Leiter der Niederlassung Köln, Mitglied des Dreiermanagementgremiums für die zentrale und unabhängige Vermögensverwaltung der FFPB. Verantwortlich für das Management von Spezialfonds und Vermögensverwaltungen für Pensionskassen, Family Offices, Arbeitgeberverbände, Spendenorganisationen, Stiftungen und Unternehmen. Seit 1985 im Renten- und Aktiengeschäft tätig. Financial Planner und Stiftungsexperte.

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