Hohe Bewertungen und Internetblase

Warum es sinnvoll ist, jetzt im Depot ein paar Hausaufgaben zu erledigen

Die Weltbörsen sind so robust in das neue Jahr gestartet, wie sie das alte beendet haben. Selbst wenn der drastische Rücksetzer des vergangenen Frühjahrs viele Anleger „abgehärtet“ zu haben scheint, hat Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank, auch die Risiken der aktuell laufenden Aktienrally im Blick:

„Die schnelle Erholung und der Anstieg des DAX von sage und schreibe 70 Prozent seit März haben viele unerfahrene Anleger angelockt.“ So meldete etwa die Comdirect Bank für die ersten neun Monate des Jahres 2020 mehr Depoteröffnungen als jemals zuvor im gleichen Zeitraum.

„Die Börsenneulinge der letzten neun Monate kennen nur steigende Kurse“, beobachtet Marko Behring. Er sieht eine Parallele zu den Neu-Aktionären, die nach der Russlandkrise und dem LTC-Crash im Jahr 1998 eingestiegen waren. Damals schien keine Krise groß genug, um die Bullenmärkte in die Knie zu zwingen. Bis der Neue Markt implodierte.

Wenn aber beispielsweise Tesla an der Börse mehr als zehnmal so viel wert ist wie BMW, dann stellt sich fast von alleine die Frage, ob die Bewertungen der Tech-Unternehmen heute mit den „Dotcoms“ der Jahrtausendwende vergleichbar sind. Also vielleicht doch Zeit, zu verkaufen? Zumal Behring von Anlegerseite immer häufiger Fragen nach einer höheren Aktienquote und einem zusätzlichen Renditekick hört. Und war es nicht Warren Buffet, der dazu riet „ängstlich zu werden, wenn andere gierig werden“? Behrings Antwort ist eindeutig: „Es ist sinnvoller, langfristig im Markt investiert zu sein und auch Schwächephasen durchzuhalten, als zu versuchen, den Markt zu „timen“. „Time in the Market“ schlägt „Time the Market“, sagen daher die Börsianer, denn Trends laufen oft länger, als man dies für möglich hält.

Dies gilt auch für den jetzigen Aufwärtstrend. Das Beispiel oben zeigt, dass selbst ein sehr langer Trend jedoch abrupt enden kann. Marko Behring rät daher dazu, investiert zu bleiben, aber mit Augenmaß: „Für Anleger ist jetzt die Zeit für ein paar Hausaufgaben. Nach einem Jahr wie 2020 sollten sich Anleger Zeit für das sogenannte „Rebalancing“ ihrer Depots nehmen und die Gewichtung des ein oder anderen gut gelaufenen Titels etwas zurücknehmen, bevor er zum Klumpenrisiko wird“, so Behring. „Von Zeit zu Zeit ein paar Gewinne mitzunehmen, ist dabei sicherlich auch kein Fehler.“

Auch in gut laufenden Märkten gilt sein Hauptaugenmerk der Diversifikation: „Gold ist eine Versicherungsposition, die als Beimischung in jedes gut gestreute Portfolio gehört.“ Selbst in einem Umfeld gut laufender Märkte rät er daher davon ab, sie zur Disposition zu stellen. In den vielerorts hörbaren Abgesang auf Anleihen will Behring nicht einstimmen: „Im letzten Frühjahr waren Staatsanleihen sehr guter Bonität plötzlich als sicherer Hafen sehr gefragt und eine der wenigen Asset Klassen, die nicht gecrasht sind.“

Sein Rat an alle Anleger: „Wer jetzt sein gut laufendes Depot noch auf etwas zusätzliche Rendite trimmen möchte, sollte sich vorher fragen, wie gut es dann noch aufgestellt ist, wenn die Börsen ein halbes Jahr oder länger gegen ihn laufen.“ Daher sollten Anleger trotz der guten Stimmung weiterhin auf breite Diversifikation setzen, Klumpenrisiken vermeiden und auf Gold als Beimischung setzen. Schließlich kann jeder noch so robust wirkende Markt auch schnell wieder einmal in etwas wilderes Fahrwasser geraten. „Langfristiges Investieren fällt leichter, wenn man Gegengewichte aufgebaut hat, die das Portfolio als Ganzes stabilisieren.“

Foto Marko Behring

Marko Behring

Leiter Asset Management. Nach seinem Studium der Betriebswirtschafslehre und einer Tätigkeit bei einem Hamburger Bankhaus trat er 2011 in die Fürst Fugger Privatbank ein. Er ist Teil des Managementgremiums des FFPB Global Flex und des FFPB Konservativ und zudem verantwortlich für die Verwaltung von Spezialmandaten.

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