Jahresausklang als Test für das Anlegervertrauen

Omikron-Variante und Inflation machen Druck auf die Märkte

Mit 4,9 % hatte im November die Inflationsrate in der Eurozone den höchsten Stand seit der Einführung des Euros erreicht. Haupttreiber waren erneut die Energiepreise. So lagen etwa Öl und Gas deutlich über dem Vorjahresniveau. Der aktuell hohe Preisdruck lenkt auch zusätzliche Aufmerksamkeit auf die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, meint Andrea Greisel vom Asset Management der Fürst Fugger Privatbank: „Die EZB betont nach wie vor, dass die hohe Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen ist. Wir gehen nicht davon aus, dass die EZB in ihrer Sitzung am 16.12. Maßnahmen zur Inflationseindämmung beschließen wird.“ So habe Zentralbank-Chefin Christine Lagarde erst unlängst bekräftigt, dass sich eine Änderung der Geldpolitik erst 18 Monate später auf die Inflation auswirken würde, die ihrer Ansicht nach bis dahin längst wieder gefallen sei.

Neben der hoffentlich bald wieder moderaten Inflation blickt Andrea Greisel optimistisch nach vorne: „Die Staatsausgaben und der private Konsum sind die wichtigsten Wachstumstreiber des Bruttoinlandsprodukts.“ So sollten im Rahmen des „Next EU Generation Fund“ Finanzmittel für staatliche Investitionen in Höhe von mehr als 1 % des BIP von der EU an die Mitgliedsstaaten fließen. Und auch der private Konsum verspreche anzuspringen: „Es wird geschätzt, dass die privaten Konsumenten in der Eurozone Ersparnisse von etwa 750 Mrd. Euro angehäuft haben. Das ist Geld, das 2022 ausgegeben werden will – zumindest teilweise.“ Vor diesem Hintergrund sieht sie positive Signale für den EU-Raum: „Die Eurozone hat gute Chancen, 2022 mehr zu wachsen als derzeit vom Konsensus erwartet wird.“ Die Auftragsbücher der Unternehmen seien prall gefüllt. Aufträge, die kurzfristig nicht ausgeführt werden könnten, würden im Verlauf des nächsten Jahres nachgeholt werden. Das sollte auch dem Aktienmarkt Unterstützung bieten. Andrea Greisel meint daher: „Kurzfristige Schwankungen werden zwar nicht ausbleiben, echte Konjunktureinbrüche sind aber vorerst nicht zu erwarten.“

In den USA könne der Aktienmarkt 2022 von einer anderen Eigenschaft profitieren: Dort würden die großen Technologieunternehmen für ein konjunkturunabhängiges Gewinnwachstum sorgen. Dennoch fehle es auch nicht an Belastungsfaktoren für das Marktgeschehen: „Corona, die hohe Inflation und nicht zuletzt auch die ungewisse Entwicklung in China und in Russland sorgen im Moment für Unsicherheit und können das Marktgeschehen zumindest temporär weiter belasten.“ Nach einem aus Anlegersicht sehr erfreulichen Jahr 2021 blicke sie daher weiterhin optimistisch ins neue Jahr, meint jedoch: „Wir erwarten insgesamt bescheidenere Erträge. Aktien bleiben die attraktivere Anlageklasse. Es wird jedoch schwieriger, hier hohe Renditen zu erzielen.“

Was bedeutet das für Anleger?

Angesichts der aktuellen Belastungsfaktoren sei eine neutrale Aktiengewichtung zu empfehlen. In ein ausgewogenes Portfolio gehörten dabei sowohl zins- und konjunktursensitive Zykliker mit Value-Charakter als auch qualitativ hochwertige Wachstumstitel. Ein solcher Mix dürfte sich selbst im Falle weiterhin erhöhter Inflationsraten gut schlagen. Und bezüglich der regionalen Gewichtung meint Andrea Greisel: „Wie schon in den letzten Jahren halten wir einen Ausstieg aus dem US-Markt auch diesmal für nicht angebracht. Er wäre jedes Mal zu früh gewesen.“

Andrea Greisel

Andrea Greisel

Vorstandsreferentin und Mitarbeiterin im Asset Management der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft. Nach zehnjähriger Tätigkeit im Investment Banking einer bayerischen Großbank trat die Bankkauffrau mit der Zusatzausbildung AIM (Applied Investment Management der DVFA) 2010 in die Bank ein. Neben ihren Aufgaben im Asset Management ist sie mitverantwortlich für die Umsetzung der Digitalisierungsprojekte und Nachhaltigkeitsstrategien der Bank.

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