Toxische Gemengelage, ja – aber…

Monatskommentar Juli 2022

Die Lage an den Märkten hat sich noch nicht wieder sortiert. Eher im Gegenteil, denn es kommen weitere Problemfelder hinzu: Inflation, Lieferkettenprobleme, neue Lockdowns in China, steigende Zinsen, Rezessionstendenzen, Zinsanstieg der südeuropäischen Euromitglieder, Bankensorgen oder der Engpass beim Gas.

Führt man sich diese Mixtur vor Augen, dann halten sich die Märkte eigentlich bemerkenswert stabil – dennoch waren die letzten Monate schmerzhaft. Um all die Themen überhaupt einschätzen zu können, muss man schon tief im Erfahrungsschatz der Vergangenheit schürfen. Die Märkte scheinen dies auch zu tun, denn sie wollen mit der Situation irgendwie umgehen können.

Derzeit werden Marktmechanismen reaktiviert, die wir längst in der Mottenkiste wähnten: Deutliche Zinserhöhungen dämpfen die Nachfrage und dämmen so Materialknappheit und Inflation ein. Der deutliche Rückgang der Baugenehmigungen gibt schon mal einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen kann. Auch hohe Energiepreise wirken wie eine Art Steuer auf den Konsum. Nach den Nebenkostenabrechnungen für das laufende Jahr könnten die Schlangen an den Flughäfen daher möglicherweise von alleine kürzer werden. Und angesichts von Rezessionstendenzen geben auch die ersten Rohstoffpreise schon wieder etwas nach. Auf der anderen Seite werden neue Energiequellen erschlossen: Pipelines nach Südeuropa, neue LNG-Terminals, reaktivierte Kohlekraftwerke usw. Dies wird insgesamt dazu beitragen, dass die Energiepreise 2023 auch wieder sinken.

Wie schon während der Pandemie benötigen alle Marktteilnehmer auch in dieser Situation erst einmal eine gewisse Zeit, um sich neu zu sortieren und die Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen. Dabei kann es zwischenzeitlich noch einmal rumpelig werden, vor allem dann, wenn der russische Gashahn tatsächlich komplett abgedreht werden sollte.

Aber – danach geht es auch wieder aufwärts. Die Börsen nehmen diese Entwicklungen bekanntlich um 6-12 Monate vorweg. Und das erlaubt einen Ausblick, der zumindest nicht nur negativ ist.

Wir halten fest: Auf Anleihen gibt es wieder Zinsen, die Anleger nun einsammeln können. Wer hätte vor wenigen Monate noch gedacht, dass 3,0 % Rendite wieder möglich sein würden. Gute Unternehmen werden weiterhin vernünftig verdienen, weil die Gewinne mindestens nominal weiter steigen werden. Das wäre ein echter Inflationsausgleich. Für die Aktienseite empfiehlt es sich, weiterhin ausreichend Liquidität für günstige Nachkäufe zu halten. Für die kommenden 12 Monate sieht es am Horizont wieder heller aus. Und eines hat die Vergangenheit gelehrt: Rezessionsphasen sind gute Phasen, um in Aktien zu investieren.

Rainer Weyrauch

Leiter der Niederlassung Köln, Mitglied des Dreiermanagementgremiums für die zentrale und unabhängige Vermögensverwaltung der FFPB. Verantwortlich für das Management von Spezialfonds und Vermögensverwaltungen für Pensionskassen, Family Offices, Arbeitgeberverbände, Spendenorganisationen, Stiftungen und Unternehmen. Seit 1985 im Renten- und Aktiengeschäft tätig. Financial Planner und Stiftungsexperte.

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