Unruhe im Rentenmarkt

Wie Depots vor Verlusten geschützt werden können

Der Rentenmarkt ist in Bewegung. Im Januar gab es zahlreiche Neuemissionen, insbesondere viele mit langen Laufzeiten. Selbst die Kaufprogramme der EZB reichten hier nicht mehr aus, um die neuen Papiere aufzunehmen. Durch den Konjunkturoptimismus und die dadurch gestiegenen Renditen verloren nicht nur die Neuemissionen massiv an Wert. Eine österreichische Staatsanleihe mit 100-jähriger Laufzeit verlor sogar seit Dezember 40 % ihres Kurswertes. Andrea Greisel, Asset Managerin der Fürst Fugger Privatbank: „In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Signale für ein Ansteigen der Inflation, bedingt durch nie dagewesene staatliche Konjunkturpakete und den geldpolitischen Stimulus der Zentralbanken. Dies hat besonders den Kursen von langen Anleihen geschadet.“

Tatsächlich sind beispielsweise die USA wieder auf Wachstumskurs und schon wurden dort die Wachstumsprognosen erhöht: Der Bloomberg-Konsens liegt bei 5,5 %, einige US-Investmentbanken sehen die amerikanische Wirtschaft sogar um 6,9 % wachsen. „In den USA laufen die Inflationserwartungen der konjunkturellen Erholung voraus. Und die US-Notenbank hat in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass sie einen Anstieg der Inflation auch über ihre Zielmarke von 2 % akzeptieren würde“, meint Andrea Greisel.

Damit kommen vom Markt derzeit uneinheitliche Signale. Die Sorge vor Inflation ist nicht unbegründet, ebenso wie die entgegengesetzte Meinung, dass sich eigentlich kein Staat Inflation (und damit höhere Zinsen) leisten kann. „Der Markt befindet sich noch in einer Findungsphase“, meint Andrea Greisel. „Kurzfristig wird es am Rentenmarkt auf jeden Fall volatil bleiben.“

Dabei ist für sie klar, dass Anleihen nach wie vor ein fester Bestandteil in einem defensiven bzw. ausgewogenen Depot sein sollten: „In den Vermögensverwaltungsdepots defensiver Anleger liegen etwa 60 % Rentenpapiere. Es ist also ganz entscheidend, wie man mit der Volatilität am Rentenmarkt umgeht.“

Dabei sind für sie vor allem drei Dinge wichtig: „Wir achten auf mittelfristige Laufzeiten mit guter Bonität, außerdem auf inflationsgeschützte Anleihen und darüber hinaus auf Rentenfonds, die Long- und Short-Positionen eingehen können. Gerade in Zeiten wie diesen ist eine aktive Steuerung unabdingbar.“ So aufgestellt ließen sich weiterhin auch mit Renteninvestments langfristiges Kapitalwachstum erzielen.

Andrea Greisel

Andrea Greisel

Vorstandsreferentin und Mitarbeiterin im Asset Management der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft. Nach zehnjähriger Tätigkeit im Investment Banking einer bayerischen Großbank trat die Bankkauffrau mit der Zusatzausbildung AIM (Applied Investment Management der DVFA) 2010 in die Bank ein. Neben ihren Aufgaben im Asset Management ist sie mitverantwortlich für die Umsetzung der Digitalisierungsprojekte und Nachhaltigkeitsstrategien der Bank.

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