Vorsicht bei gebeutelten Traditionsindustrien

Zukunftsbranchen bieten Chancen

Um die eigene Situation klarer einzuschätzen, hilft oft der Blick über die Grenzen hinweg. Im Vergleich zeigt sich hier, dass Deutschland momentan deutlich besser durch die Corona-Krise kommt als die meisten Länder dieser Erde. Und dennoch darf man nicht vergessen, dass die täglichen Neuinfektionen ständig steigen – auch hierzulande wieder.

Die erwartbare Folge: Gewinnrückgänge und Dividendenkürzungen bei den Unternehmen aus den klassischen Industriebranchen. Doch die Krise kennt auch Profiteure, und so melden Onlinehandel und Digitalisierungsspezialisten sehr gute Umsätze. Gleiches gilt für viele Unternehmen, die sich darum herum aufgebaut haben.

Aber reicht das schon als Erklärung dafür aus, warum viele Börsenindizes nahe den Höchstständen notieren? Für uns spielen hier eher andere Faktoren eine Rolle, allen voran die schier unfassbaren Summen, die durch die Rettungspakete in die Märkte fließen.

Hinzu kommt, dass bemerkenswert viele Privatanleger die Börsen gerade neu für sich entdecken. Traditionell führt das übrigens zu Fehlentwicklungen. Daher ist es gut, dass zumindest viele professionelle Marktteilnehmer skeptisch sind und wir daher von einer gefährlichen Euphorie weit entfernt sind.

Außerdem scheinen die Aktienmärkte von einer schnellen und kräftigen Wirtschaftserholung auszugehen.

Dies sehen wir differenzierter. Wir halten es stattdessen für richtig, sich auf die beispiellosen Umbrüche in allen Teilen der Gesellschaft und des Wirtschaftslebens zu konzentrieren – und auf damit verbundene Chancen.

Viele Technologiewerte, Health Care und Cyber Security sowie die damit verbundene Infrastruktur sind etwa Branchen, die von diesen Umbrüchen profitieren werden. Natürlich sind diese Aktien schon jetzt nicht mehr billig. In vielen Fällen sind sie aber den Preis wert, weil dort in den nächsten Jahren das Wachstum stattfinden wird. Im Gegenzug beschleunigt sich gerade der Verfall anderer Branchen wie Stahl, Öl, teilweise auch Versorger, Banken oder klassische Einzelhandelswerte. Einige dieser Unternehmen werden den Strukturwandel nicht überleben. Zumindest aber werden sie kaum wachsen. Auf Zwischenerholungen zu setzen, ist daher höchst spekulativ und kann für Anleger sehr teuer werden.

Wir halten uns an die Regel, dass billig nicht immer auch günstig ist, und konzentrieren uns auf die Branchen, in denen wir Wachstum erwarten. Die hohe Goldbeimischung (auch als Versicherungspolice) hat uns dieses Jahr wieder mit neuen Höchstständen belohnt. Der Dollarkurs trübt aktuell die Performance unseres relativ hohen US Anteils im Depot zwar etwas ein, aber auch das ist keine Einbahnstraße. In der Regel wird dies durch gute Kursentwicklungen ausgeglichen.

In den kommenden, traditionell eher schwierigen, Sommerbörsenmonaten, werden wir weiterhin sich bietende Chancen nutzen und stehen mit viel Liquidität für günstige Nachkäufe bereit. So sind wir weiter zuversichtlich, gemeinsam mit unseren Kunden gut durch diese Krise zu kommen.

Rainer Weyrauch

Leiter der Niederlassung Köln, Mitglied des Dreiermanagementgremiums für die zentrale und unabhängige Vermögensverwaltung der FFPB. Verantwortlich für das Management von Spezialfonds und Vermögensverwaltungen für Pensionskassen, Family Offices, Arbeitgeberverbände, Spendenorganisationen, Stiftungen und Unternehmen. Seit 1985 im Renten- und Aktiengeschäft tätig. Financial Planner und Stiftungsexperte.

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