Marktimpressionen

Nachdem am Freitag der Streit zwischen den USA und China für Verunsicherung sorgte und auch die schwachen Konjunkturdaten aus Europa die Märkte belasteten, schloss der DAX am Freitag noch mit einem Minus von 1,7 % bei 11.586 Punkten. Auf Wochensicht blieb jedoch ein Plus von rund 4 %.

Zum Wochenauftakt lieferten dagegen gestern die Zahlen zur US Industrie einen ersten Hinweis auf eine möglicherweise einsetzende Erholung. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Mai auf 43.1 Punkte von 41,5 Zählern im April. Dies ging aus einer am Montag veröffentlichten Firmenumfrage des Institute for Supply (ISM) hervor. Seit Januar war der Wert stetig gefallen. Im April erreichte er den niedrigsten Wert seit elf Jahren.

Diese Woche hat aber noch weitere Highlights zu bieten. So werden heute um 10 Uhr die PMI Zahlen (Einkaufsmanagerindizes) aus der Eurozone veröffentlicht. Am Donnerstag wird sich das Hauptaugenmerk auf die EZB-Sitzung richten. Von großem Interesse wird am Freitag der US Arbeitsmarktbericht sein. Für Mai wird eine Arbeitslosenquote von 19,8 % erwartet. Lt. Medienberichten rechnet der Markt mit einem nochmals deutlich schlechteren Wert als der bisherige Rekordwert von 14,7 % im April. “Die aktuellen Arbeitslosenzahlen gehen weit über das hinaus, was wir in jeglicher Rezession in der Nachkriegszeit erlebt haben“, berichten US Analysten.

Am Aktienmarkt sehen wir diesen Pessimismus nicht. Am Dienstagmorgen notiert der Deutsche Leitindex vorbörslich deutlich im Plus bei ca. 11.900 Punkten. Da immer mehr Länder die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Pandemie schrittweise öffnen, steigt die Hoffnung auf eine V-Erholung. Der Nikkei stieg in den letzten beiden Handelstagen auf 22.400 Punkte (Freitag 21.800). Allein heute Nacht Plus 1 %. Der DowFuture handelt aktuell bei 25.415 – ein kleines Plus von ca. 100 Punkte zu Freitag. Die gewaltsamen Ausschreitungen wegen des Todes des Afroamerikaners George Floyd sowie die wieder zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China (Hongkong) verhinderten größere Gewinne.

BONDS: Für das oben erwähnte EZB-Meeting erwartet der Markt neue Informationen über die Aufstockung des PEPP-Programms und eine interessante Fragerunde zum Thema „BuVerf Gerichtsurteil“. Die Stimmen aus der EZB weisen bislang auf wenig Kompromissbereitschaft hin. In einem gestrigen Artikel wird jedoch berichtet, dass einige Mitglieder des EZB-Rates gegen eine Aufstockung des 750 Mrd. Euro schweren Programms seien. Das bedeutet abwarten: Der Markt fordert eine Verdoppelung des PEPPs auf 1,5 Billionen und eine Verlängerung bis Mitte 2021. Keine festen Zahlen zum PEPP oder ein “Vertrösten” auf die nächste Sitzung am 16. Juli würde den Markt enttäuschen und möglicherweise einen Risk-Off-Effekt zur Folge haben. Aktuell handeln die Spreads der Peripherie und auch der Bundfuture (akt. 171,86) auf ihren Levels der vergangenen Woche.

Eine weitere Meldung befasste sich gestern mit dem Vorschlag der Europäischen Kommission für den “RecoveryFond” in Höhe von 750 Milliarden Euro. Österreich, Dänemark, die Niederlande und Schweden wollen in den kommenden Tagen eine Liste ihrer Einwände veröffentlichen. Da der Plan einstimmig beschlossen werden muss, sind auch hier weitere Meldungen von großer Bedeutung.

Ansonsten steht heute der Auftakt zu einer weiteren Runde in den Brexit-Verhandlungen zwischen UK und Europa auf der Agenda.

Stand: 02. Juni 2020 – Makroökonomische Betrachtungen und Meinungen der Fürst Fugger Privatbank werden unter Verwendung von öffentlich zugänglichen Quellen mit größtmöglicher Sorgfalt ohne Gewähr für die Richtigkeit der Angaben recherchiert. Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.