Kommentar des Anlagegremiums der Klassischen Vermögensverwaltung

Kommentar zum Jahresabschluss 2017 und Ausblick auf 2018

Angesichts des Jahreswechsels möchten wir die Gelegenheit nutzen, um einen Blick zurück ins Jahr 2017 zu werfen. Gleichzeitig wollen wir an dieser Stelle auch unsere Anlageperspektiven für das Jahr 2018 ausloten. Dabei gewähren wir Ihnen einen Einblick in unsere Gedankengänge, die uns bei der Betreuung Ihres Vermögens in diesem Jahr begleiten werden.
Beginnen wir zunächst mit dem Jahr 2017 und blicken auf die Performance unserer fünf klassischen VV-Strategien im vergangenen Jahr:

                                                                                Performance                                Benchmark

Strategie Konservativ                                              2,25%                                            0,26%

Strategie Defensiv                                                    3,00%                                            1,59%

Strategie Defensiv Plus                                           3,97%                                            3,35%

Strategie Ausgewogen                                             5,97%                                            4,67%

Strategie Offensiv                                                     9,54%                                            6,87%

Die Ergebnisse und auch die Tatsache, dass wir bei jeder Strategie stabil über der Benchmark liegen, lassen es sicher bereits vermuten: Wir sind mit dem vergangenen Jahr zufrieden.

Dennoch sei an dieser Stelle auf einige Ereignisse des letzten Jahres eingegangen, die uns beschäftigt haben und letztlich auch ursächlich für die Entwicklung der Portfolien waren – im Positiven wie im Negativen.

Beginnen wir mit der Wechselkursentwicklung des Euro zum Dollar – der wohl größten Überraschung des Jahres 2017. Wir erinnern uns: Zum 01.01.2017 notierte der Euro zum Dollar bei 1,05 und nicht wenige Marktbeobachter prognostizierten eine baldige Währungsparität zwischen Dollar und Euro. Emmanuel Macron galt zu jener Zeit als ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt und war damals nur Kennern des französichen Politbetriebes ein Begriff. Vor der Wahl in Frankreich fürchteten viele Marktbeobachter, dass sich die im Jahr 2016 durch den Brexit angestoßene Abwendung von der europäischen Idee auch im Jahr 2017 fortsetzen könnte und dies erneute Kursverluste des Euro zur Folge haben würde. Kurzum: Die meisten Marktteilnehmer waren sich einig und wie stets an der Börse ist das meist ein Zeichen dafür, dass die von allen erwartete Entwicklung eben gerade nicht eintritt. So auch diesmal.

Der Euro bewegte sich zunächst zaghaft – nämlich bis zur Wahl Macrons – und dann dynamisch gen Norden. Zum Jahresende notierte die europäische Leitwährung bei 1,20 Dollar und hatte gegen den Dollar um etwas mehr als 14% Boden gut gemacht.

Auch die Portfolien in der Vermögensverwaltung waren von diesem Effekt betroffen. Zunächst einmal durch unseren Goldanteil, den wir als Universalversicherung gegen große Marktverwerfungen in Ihren Portfolien allokiert haben. Zwar wird das in den Portfolien liegende Xetra-Gold ETC in Euro notiert, aber Gold selbst wird in USD gehandelt. Insoweit hatten wir allein durch unseren Goldanteil ein faktisches USD Exposure in den Portfolien. Neben diesem USD Anteil weisen die Strategien Defensiv und Defensiv Plus noch eine Fremdwährungsanleihe in USD auf, die durch den beschriebenen Währungseffekt moderat gelitten hat. Glücklicherweise haben unsere Renteninvestments in Euro diesen moderat negativen Effekt deutlich überkompensiert. In den Portfolien der genannten Strategien befindet sich auch eine Deutsche Bank Nachranganleihe, die allein im vergangenen Jahr um mehr als 11% zulegen konnte und so das moderate Minus der AT&T Anleihe mehr als nur neutralisieren konnte.

Die Strategien Defensiv Plus und Ausgewogen enthalten zudem seit der ersten Jahreshälfte die Amazon Aktie. Hier haben wir auch auf der Währungsseite gelitten, gleichzeitig hat sich die Aktie seit unserem Kauf jedoch in USD um fast 40% verteuert. Die dynamische Entwicklung der Aktie konnte damit den negativen Währungseffekt negieren und so stand – trotz nachteiliger Entwicklung des USD – per Jahresende ein um die Währungseffekte bereinigtes Plus von fast 30% zu Buche. Dennoch zeigt das Beispiel Amazon deutlich, welchen Einfluss der dynamische Euro für Euroanleger im Jahr 2017 hatte.

Gleichzeitig ist auch zu erkennen, weshalb – trotz stark steigender Aktienmärkte in den USA – die europäischen Märkte nicht im gleichen Umfang mitgezogen sind. Denn nach wie vor gilt der alte Leitspruch, dass insbesondere für die exportstarken Nationen eine aufwertende eigene Währung nicht immer von Vorteil ist.

Womit wir auch schon beim zweiten bedeutenden Trend des vergangenen Jahres angekommen wären: Die haussierenden US-Aktienmärkte und das mittlerweile entstehende Bewertungsgap zwischen den USA und Europa.

Seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten haben sich die US-Aktienmärkte dynamisch entwickelt. Der S&P 500 legte allein im Jahr 2017 in Erwartung der angekündigten Steuerreform um 19,4% zu, der Dow Jones gewann 25,1% und der US Technologieindex Nasdaq 100 schloss zum Jahresende 2017 gar 31,5% über seinem Vorjahreswert.

Dagegen sieht die Entwicklung der europäischen Leitindizes vergleichsweise bescheiden aus. So legte der DAX im vergangenen Jahr um 12,5% zu und der Eurostoxx 50 gewann 6,49%. Die Entwicklung reflektiert jene bereits eingangs geschilderte Angst der Anleger vor einem zu starken und damit für die Exportwirtschaft schädlichen Euro. Erfreulich positiv dagegen ist die Entwicklung des TecDAX, der um 37,4% zulegen konnte. In unserer Vermögensverwaltung Offensiv konnten wir durch unser TecDAX ETF erfreulicherweise von dieser Entwicklung profitieren.

Trotz der weitestgehend erfreulichen Ergebnisse war das Jahr 2017 keineswegs spannungsarm. Die obligatorische Schwächephase der Aktienmärkte über den Sommer hinweg konnten wir durch einen Ende Juni durchgeführten leichten Abbau des Aktienanteils glücklicherweise gut abfedern. Die zunehmenden Spannungen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump veranlassten uns im August zu einer Erhöhung des Goldanteils bzw. in der Strategie Offensiv zu einem Aufbau.

Was erwartet uns 2018?

Zum Jahreswechsel lag unsere Aktienquote in allen Strategien, die einen Aktienanteil erlauben, über der Benchmark. Wir haben im September und Oktober des Jahres 2017 auf die sich wieder aufhellende Stimmung reagiert und die Quoten auf der Aktienseite entsprechend wieder erhöht. Konjunkturell finden wir robuste Rahmenbedingungen vor: Globale Einkaufsmanagerindizes zeigen eine wirtschaftliche Expansion an, die weltweiten Arbeitsmärkte sind entspannt und auch die europäischen Peripheriestaaten kommen kontinuierlich auf die Beine. Die in 2017 erfolgten Zinsschritte der FED reflektieren diesen Effekt deutlich und zeigen auf, dass aktuell vieles auf „Grün“ steht. Vor diesem Hintergrund sehen wir makroökonomisch durchaus Luft für weiterhin steigende Aktienkurse.

Sorge bereiten uns jedoch die teilweise etwas überspannten Bewertungen vor allem in den USA. Die Volatilität betreffend, erwarten wir für das Jahr 2018 deutlich stärkere Schwankungen als in 2017. Immerhin: Die letzte 5% Korrektur im S&P 500 liegt mehr als ein Jahr zurück. Eine so ausgeprägte Phase niedriger Volatilität gab es seit 1929 nur dreimal (einmal in den 60ern und zweimal in den 90ern). Vor diesem Hintergrund und auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass viele positive politischen Richtungsentscheidungen (Stichwort: US-Steuerreform) bereits ihre Entsprechung in dynamisch steigenden Aktienkursen gefunden haben, sehen wir durchaus wieder etwas stärkere Schwankungsbreiten im Verlauf des Jahres. Vor allem ab dem zweiten Quartal könnte es – wie so häufig in den Sommermonaten – etwas turbulenter werden. Wir werden auf diese Entwicklungen mit Augenmaß reagieren und bei sich eintrübender Stimmung genauso wie im Jahr 2017 das Tempo über die Sommermonate hinweg reduzieren.

Zunächst gilt jedoch: The Trend is your Friend.

Das heißt: Wir bleiben weiter investiert. Ein nachhaltiges Abkühlen der Stimmung in den USA sehen wir zumindest im ersten Quartal diesen Jahres – trotz der sportlichen Bewertungen – noch nicht. Vor allem die Geschäftsberichte des ersten Quartals 2018 werden Aufschluss darüber geben, ob der bislang erstaunlich stabile Trend zu kippen droht. Sollten die mittlerweile hohen, eingepreisten Erwartungen nicht durch entsprechend positive Geschäftsverläufe der US-Unternehmen bestätigt werden, dann ist das für uns ein Warnsignal, das auch zu einer entsprechenden Quotenreduktion führen wird.

Eine – wie von einigen Marktteilnehmern erhoffte – Abkopplung der europäischen Märkte vom US-Markt sehen wir indes auch in Zukunft nicht. Insoweit ist es vor allem von Bedeutung, den US-Markt – wenngleich unser Anlageschwerpunkt ganz klar in Europa liegt – im Blick zu behalten. Denn drohendes Ungemach auch für die europäischen Aktienmärkte kündigt sich stets durch eine sich entsprechend verschlechternde Stimmung in den USA an.

Risikofaktoren für die europäischen Aktienmärkte sehen wir im politischen Bereich. Die bevorstehende Wahl in Italien könnte problematisch werden. Die aktuellen Umfragewerte der eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung liegen aktuell zwischen 26% und 29%. Das reicht zwar nicht für eine Mehrheit, aber man sollte die Entwicklungen im Blick behalten. Gegenwärtig erscheint jedoch ein alter Bekannter auf der politischen Bühne Italiens, der womöglich mit seinem Mitte-rechts-Bündnis und seiner bereits mehrfach unter Beweis gestellten Fähigkeit, Koalitionen zu schmieden, eine Regierung der Eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung verhindern könnte: Silvio Berlusconi. Sollte seine Mitte-rechts-Koalition eine Mehrheit erhalten, dann könnte er den Ministerpräsidenten küren und insoweit die Regierungsambitionen der Fünf-Sterne-Bewegung zerschlagen.

Vor diesem Hintergrund glauben wir nicht an allzu große Verwerfungen, die durch die Wahl in Italien verursacht werden. Dennoch werden wir natürlich die Trends und die globalen Risikotreiber immer im Auge behalten und in gewohnter Weise auf sich eintrübende Stimmungsindikatoren reagieren, um Ihr Vermögen zu schützen.

Gemälde GL-Saal

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