Kommentar des Anlagegremiums der Klassischen Vermögensverwaltung

Jahresendhausse im Anmarsch?

Jedes Jahr im Herbst werden die Stimmen der Anleger lauter, die eine Jahresendhausse am Horizont heraufschimmern sehen. Und wie nahezu in jedem Jahr stellt sich – zumindest für jene, die mit höheren Liquiditätsständen übersommert haben – die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg. Zur Erinnerung: Wir haben bereits im Juni diesen Jahres unsere starke Aktienübergewichtung in der Klassischen Vermögensverwaltung reduziert und die obligatorische Schwächephase des Sommers auf diese Weise gut und ohne größere Blessuren überstanden. Die Entscheidung war rückblickend absolut richtig. Gleichzeitig lässt sich jedoch konstatieren: Das rein konjunkturelle Stimmungsbild verblieb trotz einiger Molltöne durch einen zu starken Euro und trotz der in Teilen doch recht stark sinkenden Aktienkurse weitestgehend positiv. Einige dieser konjunkturellen Schlaglichter seien hier kurz umrissen: Ein Blick in die USA zeigt für August einen starken ISM Manufacturing Index, der eine anhaltende konjunkturelle Expansion andeutet. Ähnlich erfreulich gestaltet sich auch die Entwicklung in der Eurozone. Auch hier bewegen sich die Einkaufsmanagerindizes im Expansionsniveau und in Deutschland hat der Bundesverband der Industrie seine Wachstumsprognose jüngst erst nach oben korrigieren müssen.

Quintessenz also? Mit einem Blick auf das Gesamtjahr verbleiben wir durchaus optimistisch und dies spiegelt sich auch in unserer Aktienquote wider; diese nämlich liegt leicht über unserer Benchmark und zeigt: Wir werden nun wieder optimistischer!

Wir haben am 19.September durch einen Aufbau eines S-DAX ETFs die Aktienquoten leicht über das Benchmarkniveau hinaus angehoben und erwägen im Verlauf des Oktobers – sollte das fundamentale und technische Stimmungsbild sich nicht nachhaltig eintrüben – eine weitere, sukzessive Aufstockung der Aktienquoten. Die Gründe dafür haben wir ja bereits ansatzweise umrissen: Wir sehen sowohl konjunkturell als auch von Seiten der Zentralbanken grünes Licht. Die Rückkehr zu einer normalisierten Zentralbankpolitik (diesseits und auch jenseits des Atlantiks) ist für uns kein Grund zur Furcht, sondern vielmehr ein Grund zur Freude.

Auch die Aktienmarktbewertungen stützen diese Wahrnehmung. Ein Blick auf die erwarteten KGVs für das nächste Jahr beim DAX zeigt keine massive Übertreibung an. Hier liegen wir 6,8% über dem langfristigen 10 Jahres Schnitt. Dies  mag nicht ganz billig erscheinen, allerdings sahen wir auch im August 2016 ein Schätz-KGV für das Folgejahr von 13,7; mithin waren wir also vor einem Jahr im August leicht teurer als heute. Dennoch – erinnern wir uns an letztes Jahr – reagierte der Markt in den Folgemonaten mit einem schönen Anstieg. Das freilich ist keine Garantie für eine ähnliche Entwicklung in diesem Jahr, aber unter Berücksichtigung der nach wie vor stabilen konjunkturellen Rahmenbedingungen und auch mit einem Blick auf die bevorstehenden, rein saisonal positiven Monate sehen wir gute Gründe für einen Aufbau.

 

Bleibt nur noch die Frage des Timings. Zunächst: Mit dem jüngst erfolgten Aufbau des S-DAX ETFs haben wir bereits den Zeh im Wasser. Gleichwohl sehen wir im Verlauf der nächsten Wochen durchaus noch die ein oder andere interessante Einstiegsmöglichkeit – idealerweise bei vielleicht nochmal etwas schwächeren Kursen. Unsere Argumentation möchten wir – nachdem wir bereits auf die fundamentale Seite eingegangen sind und hier weitestgehend grünes Licht sehen – nun auch gerne marktstatistisch begründen. Unten stehende Grafik zeigt die Wahrscheinlichkeit zweier Indizes (DAX und Eurostoxx 50) für einen positiven Monatsverlauf an.

Es zeigt sich: die letzten drei Monaten des Jahres sind von meist positiven Aktienmärkten geprägt und heben sich deutlich von dem traditionell eher durchwachsenen Sommerquartal ab. So beendete etwa der DAX in den Monaten Oktober, November und Dezember seit dem Jahr 2000 in 75% aller Fälle die genannten Monate auch mit mindestens einer schwarzen Null.

Dies übrigens ist auch eine Erkenntnis, die bereits mannigfaltig wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Den interessierten Statistikern unter den Lesern sei in diesem Zusammenhang gerne folgender Link von der Universität Edinburgh und der Nottingham University ans Herz gelegt. Dort wird sowohl auf den saisonalen Dauerbrenner zum Thema „Sell in May“ eingegangen, als auch gezeigt, dass eine Investition im Verlauf des Oktobers Vorteile gegenüber einem Einstieg im Frühjahr bietet: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2154873

Vor diesem Hintergrund finden wir sowohl fundamentale als auch eine marktechnisch erfreuliche Rahmenbedingungen vor, die eine sukzessive und mit Augenmaß vorgenommene Ausweitung der Aktienquote rechtfertigen. Natürlich behalten wir dabei die Trends und die globalen Risiken immer im Auge.

Ihr Gremium der Klassischen Vermögensverwaltung

Stand 20.September 2017

Gemälde GL-Saal

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