Herausforderndes Umfeld mit langfristigen Chancen
Ein Jahr nach Einführung der Strafzölle durch die US-Regierung zeigt sich an den Märkten ein bekanntes Muster: Auf eine scharfe Korrektur folgt eine ebenso dynamische Erholung. Auch diesmal gilt – wer investiert geblieben ist, wurde belohnt. So falsch Passivität im Alltag oft sein kann – an der Börse war sie zuletzt die bessere Strategie und hektisches Agieren hätte Geld kosten können. Genau solche Phasen sind es, für die ein ausgewogenes Portfolio konstruiert sein sollte: Es muss robust genug sein, um auch in unruhigen Zeiten stabil zu bleiben.
Die Aktienmärkte scheinen sich gefangen zu haben. So liegt der DAX seit Jahresbeginn nur noch leicht im Minus (ca. 1,4 %) und die US-Märkte sogar im Plus: 3,8 % der S&P 500 und 5,2 % der Nasdaq. Trotz dieser dynamischen Erholung ist diese Aufwärtsbewegung jedoch selektiv und wird maßgeblich von wenigen Sektoren getragen. Im Fokus steht dabei weiterhin Künstliche Intelligenz. Vor allem Halbleiterwerte zeigen Stärke und auch einige Softwaretitel konnten sich spürbar von ihren Tiefständen erholen. Gerade im Technologiesektor muss diese noch laufende Berichtssaison zeigen, ob die hohen Erwartungen bestätigt werden – oder ob die aktuelle Erholung nur eine schnelle Gegenbewegung ist.
An den Rentenmärkten haben sich zuletzt die Renditen deutlich nach oben entwickelt. Der Ölpreis hat die Inflationserwartungen sowohl in Europa als auch in den USA ansteigen lassen – und mit ihnen die Renditen: Die 10-jährige Bundesanleihe liegt inzwischen bei rund 3,0 % und die 10-jährigen US-Staatsanleihe bei etwa 4,3 %. Die Märkte preisen also wieder einen hartnäckigeren Inflationsdruck ein als zuletzt erwartet. Das ist keineswegs trivial. Bleibt nämlich der Ölpreis hoch, könnte sich dieser Effekt stärker verfestigen als bislang angenommen. Das wiederum wirkt sich unmittelbar auf die Zinserwartungen aus. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 sitzen noch tief, auch bei Notenbanken. Entsprechend vorsichtig agieren sie derzeit. Noch gehen sie nicht von einer dauerhaft ausufernden Inflation aus – vorausgesetzt allerdings, dass es zu einer geopolitischen Entspannung und einer Stabilisierung der Lieferketten kommt. Wie so oft kann bereits die Aussicht auf eine Verbesserung auseichen, um an den Märkten für Entlastung zu sorgen.
Im Gegensatz zum Öl hat sich der Goldpreis zuletzt etwas von seinen Höchstständen entfernt. Auslöser ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zu den naheliegenden Gewinnmitnahmen kamen marktmechanische Effekte: In Phasen erhöhter Volatilität müssen Marktteilnehmer Sicherheiten hinterlegen. Dabei greifen sie häufig auf liquide Assets zurück, wie etwa Gold. Gleichzeitig drückt die Aussicht auf steigende Zinsen auf den Goldpreis, da Gold im Vergleich an Attraktivität verliert. Und auch der US-Dollar beeinflusst die kurzfristige Preisentwicklung. Die jüngste Schwäche ist daher weniger ein strukturelles Signal als vielmehr das Ergebnis kurzfristiger Marktmechaniken und veränderter Erwartungen.
Die vergangenen Wochen haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig Disziplin an den Kapitalmärkten ist. Es zahlt sich aus, investiert zu bleiben, auch wenn es zwischenzeitlich mal unbequem wird. Die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd. Wachstumsprognosen müssen möglicherweise punktuell nach unten angepasst werden, und auch Rückschläge sind jederzeit möglich. Doch genau solche Phasen sind häufig der Nährboden für zukünftige Marktbewegungen. Aus heutiger Sicht spricht daher weiterhin viel dafür, dass das aktuelle Umfeld langfristig attraktive Chancen bietet. Volatilität gehört dazu – sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Teil des Weges.
Christoph Mertens
Leiter Niederlassung Köln
Stand: 30. April 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

