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Der Markt wartet nicht

Warum die Börsen vielleicht gar keine schnelle Zinssenkung benötigen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Aktienmärkte steigen, obwohl ihnen der Rentenmarkt kaum hilft. Die Anleiherenditen waren zuletzt deutlich gestiegen – und trotzdem haben die großen US-Indizes neue Höchststände erreicht. Der wichtigste Treiber hinter der Entwicklung der Aktienkurse bleibt künstliche Intelligenz. Rechenzentren, Halbleiter und Infrastruktur sorgen für einen Investitionszyklus, der sich zunehmend auch in den Unternehmensgewinnen widerspiegelt. Der Markt folgt seinen Favoriten – und wir sehen keinen Grund, uns dagegenzustellen.

Am Rentenmarkt drücken die anhaltend hohen Energiepreise, eine zähe Inflation und der große staatliche Finanzierungsbedarf die Renditen nach oben. Bei Unternehmensanleihen bietet das für Anleger inzwischen Chancen: Gute Bonitäten liefern wieder einen laufenden Ertrag, der im Portfolio einen echten Unterschied ausmachen kann. Das Beispiel Frankreich zeigt zugleich, dass Staatsfinanzen wieder genauer bepreist werden.

Generell verdient Europa einen zweiten Blick. Gerade Deutschland wird derzeit vor allem über seine Probleme definiert, dabei konnten sich Konjunkturdaten und Erwartungen zuletzt etwas stabilisieren. Ein Aufschwung mit Ausrufezeichen ist das zwar noch nicht, aber möglicherweise mehr, als die gedämpfte Stimmung vermuten lässt.

In diesem Umfeld bleibt Gold für uns ein strategischer Stabilisator, stellt jedoch keine Wette auf den nächsten großen Preissprung dar.

Für die kommenden Monate zählt vor allem, was bei den Energiepreisen passiert: Stabilisieren sich die Öl- und Gaspreise, dürfte auch der Inflations- und Zinsdruck nachlassen. Genau das ist vielleicht der entscheidende Punkt: Der Aktienmarkt braucht gar keine schnellen Zinssenkungen. Es könnte schon ausreichen, wenn der Zinsanstieg endet. Die weiterhin hohen Investitionen und soliden Unternehmensgewinne träfen dann auf weniger Gegenwind von der Zinsseite. Für den Aktienmarkt könnte das wertvoller sein als die nächste große Zinssenkungsfantasie. Wir glauben daher, dass es sich nicht lohnt, auf den perfekten Zins zu warten. Uns würde schon ein Umfeld reichen, in dem er zumindest nicht mehr im Weg steht.

 

Christoph Mertens
Leiter Niederlassung Köln

 

 

Stand: 09. Oktober 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

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