Klare Worte vom Fed Chef
Auf dem Treffen der internationalen Notenbankchefs in Jackson Hole hat der neue Chef der US-Zentralbank, Kevin Warsh, eine erstaunlich klare Botschaft hinterlassen: Das Inflationsziel von 2 % ist für ihn kein Richtwert, sondern ein festes Ziel. Mit 3,7 % liegt die US-Inflation deutlich zu hoch. Die Arbeitslosigkeit hingegen ist mit 4,1 % niedrig, und die Unternehmensgewinne wachsen kräftig.
Bemerkenswert war Warshs Einschätzung, dass die US-Wirtschaft die hohen Zinsen bislang erstaunlich gut auszuhalten scheint. Anders gesagt: kein Grund für schnell sinkende Zinsen. Im Gegenteil: Sollte die Inflation nicht überzeugend in Richtung 2 % fallen, hat die Fed nach Warshs eigener Aussage noch „Arbeit zu erledigen“. Selbst eine weitere Zinserhöhung wäre damit wieder eine reale Option.
Politisch ist dies brisant. Als Donald Trump Kevin Warsh ins Amt brachte, wünschte er ausdrücklich niedrigere Zinsen. Nicht ohne Grund, denn die US-Staatsschulden haben erstmals 40 Billionen Dollar überschritten. Die hohen Zinsen werden für Washington zunehmend teuer. Und hier liegt der eigentliche Konflikt: Was für die Inflationsbekämpfung richtig ist, wird für Amerikas Schuldenberg zunehmend unangenehm. Warsh scheint dieses Problem zumindest vorerst nicht durch eine großzügigere Geldpolitik lösen zu wollen.
Interessant ist auch sein neuer Kommunikationsstil. Warsh will eine „leisere“ Fed, die den Märkten nicht ständig erklärt, wohin die Zinsen als Nächstes laufen. Für Anleger bedeutet dies weniger Sicherheit über den Zinspfad – und mehr Bewegung, wenn neue Inflations- oder Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden. Für die Märkte bleibt das Bild anspruchsvoll. Aktien müssen ihre Bewertungen stärker durch Gewinne rechtfertigen, was bislang erstaunlich gut gelingt. Bei Anleihen bleiben kurze und mittlere Laufzeiten interessant, während hohe Staatsverschuldung und steigendes Angebot gegen große Wetten auf sehr lange Laufzeiten sprechen. Gold bekommt kurzfristig Gegenwind von hohen Zinsen und einem festen Dollar, behält angesichts der weltweiten Schuldenentwicklung aber seine strategische Berechtigung. Nach Jackson Hole lautet die spannendste Zinsfrage, wie lange die Fed ihren Kurs durchhalten kann, wenn Washington dafür eine immer größere Rechnung präsentiert bekommt.
Stand: 02. September 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

