Wieso Anleihen wieder ein attraktiver Portfoliobaustein sein können
Lange galten Anleihen als Depotbaustein ohne Ertrag. Das hat sich geändert: Mitte September erreichte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen 3,63 % – so viel wie seit Februar 2011 nicht mehr. Treiber waren ein kriegsbedingt hoher Ölpreis, eine Inflation von zuletzt 3,8 % im Euroraum und eine EZB, die ihren Einlagensatz in diesem Jahr bereits zweimal auf nun 2,50 % angehoben hat. Das hat den Blick nach vorn verändert. Wer heute in Anleihen investiert, erhält wieder einen spürbaren laufenden und planbaren Ertrag. Die Rendite funktioniert dabei als Puffer: Schwächt sich die Konjunktur ab und die Zinsen sinken wieder, dann steigen die Kurse der Anleihen. Legen die Renditen dagegen noch etwas zu, können die höheren Kupons zumindest einen Teil der Kursverluste abfedern.
Kurze und mittlere Laufzeiten bieten derzeit ein attraktives Verhältnis aus Ertrag und Risiko: Sie sichern das höhere Zinsniveau für einige Jahre, ohne allzu stark auf weitere Renditeanstiege zu reagieren. Anders ist es bei sehr langen Laufzeiten: Hohe Staatsdefizite und ein wachsendes Angebot neuer Anleihen sprechen für höhere Prämien am langen Ende und damit für ein entsprechend größeres Kursrisiko. Neben Bundesanleihen bieten Unternehmensanleihen guter Bonität einen zusätzlichen Renditeaufschlag, erfordern aber eine sorgfältige Auswahl.
Ein Teil der Rendite fällt der Inflation zum Opfer. Vor allem der Ölpreis hält den Preisdruck hoch. Brent notiert bei rund 100 US-Dollar, vor Kriegsbeginn waren es gut 72 US-Dollar. Gelingt am Persischen Golf eine tragfähige Einigung, könnten Ölpreis und Inflation spürbar nachgeben und die EZB ihren Straffungskurs früher beenden. Für Anleihenanleger wäre eine nachgebende Inflation ein doppelter Vorteil: Die heute gesicherten Renditen würden real attraktiver, und sinkende Marktzinsen brächten zusätzlich Kursgewinne. Bleiben die Gespräche dagegen festgefahren, sind weitere Zinsschritte und vorübergehend höhere Renditen nicht ausgeschlossen.
Anleihen sind nach wie vor kein Ersatz für Aktien. Sie sind aber wieder ein vollwertiger Baustein im Depot und tragen spürbar nicht nur zur Sicherheit, sondern auch zum Ertrag bei. Wer sein Portfolio überprüft, solle sich deshalb fragen, ob die eigene Anleihequote dem neuen Zinsumfeld schon gerecht wird.
Stand: 07. Oktober 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

