Das neue US-Steuergesetz wird Auswirkungen für das Land haben – nur welche…
„Big Beautiful Bill“: Was klingt wie ein Westernheld, ist tatsächlich ein neues US-Steuergesetz, das weitreichende Auswirkungen haben dürfte. Im Kern geht es um die Aspekte Medicare (Gesundheitsversorgung) und Infrastruktur. Das Gesetz sieht Kürzungen bei Ausgaben staatlicher Krankenversicherung für Bedürftige sowie gleichzeitig Steuersenkungen für wohlhabende Beitragszahler vor.
Staatliche Investitionen in Infrastruktur sollen über neue Schulden finanziert werden, zusätzlich soll es Anreize für private Investoren geben. Die Investitionen in Infrastruktur sind nicht gegenfinanziert. Das wird die Diskussion um die Staatsverschuldung und die Schuldengrenze verschärfen. Letztere wurde durch das Gesetz um 5 Billionen (!) US-Dollar erhöht.
Bei zahlreichen Unternehmen herrscht nun Aufbruchstimmung. Die Infrastrukturinvestitionen dürften für einen Nachfrageimpuls bei Bau, Rohstoffen und Industrie sorgen. Steuersenkungen können die Unternehmensgewinne erhöhen. Der ebenfalls beschlossene Regulierungsabbau ist positiv für Versicherungen, Banken und den Energiesektor.
Sorgen um die Staatsverschuldung könnten allerdings die Risikoaufschläge und die Volatilität erhöhen. Sektoren wie die Gesundheitsversorgung könnten unter den Kürzungen spürbar leiden. Indirekt könnten Europäische Aktien profitieren, sollte ein stärkerer US-Konsum auch bei uns die Nachfrage beleben. Dies würde Firmen mit einem starken Export in die USA zugutekommen. Sollten sich die Sorgen um das US-Staatsdefizit erhärten, sind erneute Kapitalflüsse nach Europa zu erwarten. Stichwort Defizit: das sorgt mit mehr Staatsanleihen für weiteren Angebotsdruck auf den Anleihemärkten.
Mit den Staatsausgaben könnte auch die Inflation wieder steigen. Die Folge wäre eine straffere Geldpolitik. Wir haben gesehen, dass steigende Renditen bei US-Staatsanleihen für enorme Verunsicherung sorgen und weite Teile des Kapitalmarktes beeinträchtigen können. Blieben die Zinsen in den USA hoch, würde wieder mehr Geld in den Dollar fließen, umso mehr, wenn die geplanten Maßnahmen der US-Wirtschaft Rückenwind verleihen. Bleibt das Wachstum jedoch aus, wird die Sorge um den weiter steigenden Schuldenberg für noch mehr Unsicherheit sorgen. Sollten also erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Unsicherheit zu Tage treten, dürfte dies zu Volatilität führen.
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