Bewertungsunterschiede, Risikostreuung und staatliche Impulse treiben Umschichtung
Der Februar 2026 hat das Zeug zu einem historischen Rekordmonat für europäische Aktien zu werden. Darauf deuten jedenfalls außergewöhnlich hohe Kapitalzuflüsse hin. Nach Jahren relativer Schwäche erlebt Europa eine spürbare Neubewertung durch internationale Anleger und einige Leitindizes bewegen sich im Bereich neuer Allzeithochs.
Vergleicht man europäische mit US-Aktien, dann sind letztere im historischen Vergleich hoch bewertet und der Bewertungsabstand zwischen den beiden ist erheblich. Europa gilt zwar nicht als billig, verglichen mit amerikanischen Aktien erscheint es aber im Verhältnis attraktiver – schon durch die niedrigeren Bewertungen. Gleichzeitig verstärkt sich die Diskussion über eine mögliche Überbewertung KI-getriebener Aktien. Enttäuschungen bei einzelnen Unternehmen fördern Umschichtungen.
Die Folge: Investoren suchen eine breitere regionale und sektorale Streuung. Europäische Märkte haben andere Schwerpunkte (Industrie, Finanzwerte, Energie, Gesundheit, Verteidigung, etc.), sind mit ihnen breiter aufgestellt und so weniger abhängig von einzelnen Technologietrends. Hinzu kommen positive konjunkturelle Signale. Nach einer längeren Schwächephase stabilisieren sich die Konjunkturdaten in Europa, die Inflation ist rückläufig und der geldpolitische Druck nimmt ab. Schon moderate Wachstumsraten reichen aus, um die Erwartungen zu verbessern. Weitere Unterstützung kommt von den verschiedenen europäischen Fiskalprogrammen.
Europa zeigt kein Boom-Szenario, aber Verbesserungstendenzen. Die aktuellen Marktbewegungen basieren daher auch nicht auf Euphorie, sondern auf nüchternem Vergleich. Ein zusätzlicher Treiber ist die Verteidigungsindustrie. Steigende Verteidigungsausgaben haben die Wahrnehmung des Sektors verändert und seine Unternehmen werden zunehmend als strukturelle Gewinner gesehen.
Dies ist weder ein plötzlicher Europa-Optimismus noch der Vorbote einer explosionsartigen Gewinnbeschleunigung, aber dennoch ein wichtiges Signal: Wir sehen eine sukzessive Umschichtung aufgrund von Bewertungsunterschieden, einer breiteren Risikostreuung und staatlicher Impulse. Europa profitiert aktuell von dieser relativen Attraktivität, nicht von Euphorie. Wie nachhaltig diese Bewegung ist, hängt von den kommenden Wirtschaftsdaten und Gewinnen ab. Die aktuelle Rotation ist zwar rational erklärbar, aber kein Selbstläufer.
Stand: 25. Februar 2026 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

