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S&P 500: Gewinnschätzungen steigen auf Rekordniveau

Technologie und Energie treiben vor der Berichtssaison die Erwartungen der Anleger

Die Berichtssaison zum dritten Quartal beginnt für die Unternehmen im amerikanischen S&P 500 mit ungewöhnlich viel Rückenwind. Trotz Sorgen über höhere Öl- und Gaspreise haben Analysten ihre Gewinnschätzungen im Quartalsverlauf um 1,4 % angehoben. Normalerweise werden die Prognosen vor Beginn der Berichtssaison nach unten korrigiert – in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 2,2 %. Nun steigen die Erwartungen bereits das zweite Quartal in Folge. Wir sehen das als ein positives Signal: Dass die Analysten ihre Gewinnprognosen entgegen dem üblichen saisonalen Muster anheben, spricht für die Ertragskraft der US-Unternehmen. Allerdings liegt die Messlatte damit auch hoch. Für das dritte Quartal rechnen Analysten inzwischen mit einem Gewinnwachstum von 29,5 % gegenüber dem Vorjahr. Damit könnte der S&P 500 zum dritten Mal in Folge ein Gewinnplus von mehr als 25 % erzielen und bereits das achte Quartal hintereinander zweistellig wachsen. Auch die Umsätze sollen mit 12,3 % kräftig zulegen. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten sogar einen Gewinnanstieg von 32,4 %.

Zwar wird für alle elf Sektoren des S&P 500 ein Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr erwartet, fünf davon dürften zweistellig zulegen. Die jüngsten Korrekturen nach oben konzentrieren sich jedoch auf lediglich drei Branchen. Besonders deutlich sind sie im Energiesektor mit einem Plus von 18,0 % und in der Informationstechnologie mit 3,5 %. In acht Sektoren senkten Analysten dagegen ihre Schätzungen, am stärksten bei Rohstoffen mit minus 10,2 %, Basiskonsumgütern mit minus 4,0 % und im Gesundheitswesen mit minus 3,3 %. Vor allem Technologie und Energie treiben die positiven Korrekturen. Für Anleger wird deshalb entscheidend sein, ob auch andere Branchen die hohen Erwartungen erfüllen können. Wie stark insbesondere die Nachfrage nach Infrastruktur für KI die Unternehmensgewinne antreibt, zeigt der Halbleiterhersteller Micron: Umsatz, Gewinn und Umsatzausblick für das laufende Quartal fielen besser aus als prognostiziert. Goldman Sachs erhöhte daraufhin das Kursziel von 1.100 auf 1.250 US-Dollar, hält wegen möglicher Preisrisiken im Geschäft mit Hochleistungsspeichern ab 2028 aber an der neutralen Einstufung fest.

Für uns überwiegen die positiven Perspektiven für den amerikanischen Aktienmarkt. Die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur und langfristig abgesicherte Lieferbeziehungen stützen die Gewinnentwicklung. Gleichzeitig könnten bereits kleinere Enttäuschungen bei den Quartalszahlen oder Unternehmensausblicken deutliche Kursreaktionen auslösen. Wir erwarten in dieser Berichtssaison wieder erhöhte Schwankungen. Diese spiegeln vor allem die hohen Ansprüche der Anleger wider und nicht grundsätzlich schwache Fundamentaldaten. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,0 ist der Markt trotz der Rekordgewinne nicht überbewertet. Das spricht insgesamt für eine konstruktive Berichtssaison.

 

Stand: 14. Oktober 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

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