Produktivitätsschub könnte Wachstum stärken – doch vorerst bleibt die Inflation das größere Risiko
Künstliche Intelligenz könnte der US-Wirtschaft einen ähnlichen Produktivitätsschub bescheren wie das Internet in den späten 1990er-Jahren. Doch für die US-Notenbank Fed ergibt sich daraus ein Dilemma: Während die langfristigen Wachstumschancen steigen, bleibt die Inflation hartnäckig. Die jüngsten Inflationsdaten lagen überwiegend über den Erwartungen der Analysten. Daraus ergibt sich eine zentrale Herausforderung für die Geldpolitik: Die Fed muss heute die Inflation bekämpfen, ohne das Wachstumspotenzial von morgen unnötig zu bremsen.
Die Parallelen zur Internetrevolution sind durchaus erkennbar. Zwischen 1995 und 1999 sorgten neue Informationstechnologien in den USA für kräftiges Wirtschaftswachstum bei vergleichsweise moderatem Inflationsdruck. Auch heute wächst die amerikanische Wirtschaft nominal in einer Größenordnung, die an diese Zeit erinnert. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Während in den 90ern Produktivitätsfortschritte das reale Wachstum maßgeblich antrieben, trägt heute die Inflation einen größeren Teil zum nominalen Wachstum bei.
Die milliardenschweren Investitionen großer Technologiekonzerne in Rechenzentren und KI-Infrastruktur stützen die Konjunktur, erhöhen zugleich aber den Druck auf Preise und Kapazitäten. Die bislang messbaren Produktivitätsgewinne bleiben hinter denen der Internetrevolution zurück. Das bedeutet jedoch nicht, dass KI ihr wirtschaftliches Potenzial nicht entfalten wird. Technologische Umbrüche benötigen häufig Jahre, bis sie sich in höherer Produktivität, steigenden Unternehmensgewinnen und zusätzlichem Wachstum niederschlagen. Für die Fed entsteht daraus eine schwierige Abwägung. Erhöht sie die Zinsen zu spät beziehungsweise hält sie die Geldpolitik zu locker, könnte sich die Inflation verfestigen. Agiert sie dagegen zu restriktiv, droht sie die wirtschaftliche Dynamik zu bremsen, bevor sich die erhofften Produktivitätsfortschritte einstellen.
Für Anleger ist deshalb nicht allein entscheidend, wie stark KI die Wirtschaft langfristig verändern wird. Ebenso wichtig ist, wann sich die Produktivitätsgewinne tatsächlich zeigen und wie die Notenbank bis dahin auf den Inflationsdruck reagiert. Der technologische Fortschritt und die Produktivitätsgewinne werden für die Zukunft erwartet. Die Herausforderung für die Fed ist jedoch, dass sie mit ihrer Geldpolitik die Inflation der Gegenwart bekämpfen muss.
Stand: 21. Oktober 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

