Schwacher Euro treibt Energiekosten
Wer in einen der großen Indexfonds auf Euro-Staatsanleihen investiert, leiht knapp jeden vierten Euro dem französischen Staat. Erstmals seit 2002 ist die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen über 5 Prozent gestiegen. Anleger verlangen von Frankreich rund 1,7 Prozentpunkte mehr Zins als von Deutschland. Dieser Risikoaufschlag ist inzwischen sogar höher als der, den Italien bezahlen muss.
Die Europäische Zentralbank entscheidet am Donnerstag über die Zinsen. Für sie kommt diese Entwicklung zur Unzeit. Im September ist die Inflation im Euroraum auf 3,8 Prozent gestiegen, fast doppelt so hoch wie das Ziel. Dieser Anstieg ist fast allein den Energiekosten geschuldet. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel liegt bei 2,5 Prozent. Laut EZB hat sich der Energieschock bislang kaum auf andere Preise ausgebreitet. Weil sie aber die Inflation noch länger deutlich über dem Ziel erwartet, hat die Notenbank die Zinsen seit Juni zweimal erhöht.
Frankreich trifft das doppelt: Das Staatsdefizit lag 2025 bei 5,1 Prozent der Wirtschaftsleistung, und der Regierung fehlt eine eigene Mehrheit für den Haushalt 2027. Zum höheren Zinsniveau kommt wegen dieses Haushaltsstreits ein eigener Risikoaufschlag. Frankreich selbst erwartet, dass die Zinsausgaben 2027 um 12 Mrd. auf 91 Mrd. Euro steigen. Mit den steigenden Risikoaufschlägen im Euroraum hat seit Mitte September auch der Euro gegenüber dem Dollar nachgegeben. Öl wird jedoch in Dollar gehandelt. Ein schwächerer Euro verteuert damit genau die Energie, die die Inflation treibt.
2011 erhöhte die EZB schon einmal wegen steigender Rohstoffpreise zweimal die Zinsen, während die Risikoaufschläge in Südeuropa in die Höhe schossen. Damals nahm sie beide Schritte bis Dezember wieder zurück, weil die Spannungen das Wachstum dämpften. Heute bleibt die Kerninflation laut Prognose der EZB bis Ende 2027 über 2 Prozent. Das dürfte eine schnelle Kehrtwende wie damals erschweren. Auf Anleihekäufe der EZB kann Paris kaum hoffen: Sie soll nur bei Marktspannungen eingreifen, die nicht in der Lage des Landes selbst begründet sind. Frankreich ist also gefordert. Für Anleger zählt bei Euro-Staatsanleihen wieder, aus welchem Land sie kommen: Wer einfach breit über einen Indexfonds oder einen ETF in Anleihen investiert, trägt das französische Haushaltsrisiko zu knapp einem Viertel mit.
Stand: 28. Oktober 2026 –Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

