Technischer Aktien- und Rentenmarktkommentar

für die Woche vom 18. – 22. Mai 2020

DAX

An den internationalen Aktienmärkten hat sich zuletzt gezeigt, dass unter den Marktteilnehmern eine große Unentschlossenheit und Unsicherheit vorherrscht. Somit hat sich fast an allen wichtigen Aktienmärkten eine mehr oder weniger starke Seitwärtsbewegung ausgebildet. In diesem Umfeld hielt sich der DAX in der letzten Woche gut. Nachdem er zu Wochenbeginn knapp an der Marke von 11.000 Punkten scheiterte, ging es im weiteren Verlauf deutlich Richtung Süden. Kurzzeitig wurde die bei 10.278 Punkten verlaufende 38-Tage-Linie unterschritten, bevor erneut ein Richtungswechsel stattfand. Dennoch verlor der DAX rund 4 % und schloss bei 10.465 Punkten. Auch wenn die Charttechnik zuletzt einige Kratzer bekommen hat, bildet der Bereich um 10.500 Punkten eine gute Unterstützung. Da diese Woche recht freundlich startet, ist im Wochenverlauf ein erneuter Test des zentralen Widerstands bei ca. 11.000 Punkten möglich.

Euro Stoxx 50

Der Euro Stoxx 50 ging am Freitag mit einem Punktestand von 2.770 Punkten aus dem Handel und erzielte auf Wochensicht einen Kursverlust von -4,75 %. Das ist der größte Verlust auf Wochenbasis seit dem 19.03.2020. Die vergangene Woche hat verdeutlicht, dass die Krise auch im Zuge der Lockerungsmaßnahmen weiterhin unberechenbar bleibt. Zusätzlich zur allgemeinen Corona-Unsicherheit ist wieder verstärkt mit Störfeuer von Donald Trump im aufkeimenden Handelsstreit mit China zu rechnen. Die nervösen Reaktionen an den Märkten vergangene Woche verdeutlichten dies. Die Marktbreite in Europa war sehr schwach, da von den Euro Stoxx 50 Unternehmen nur zwei die vergangene Woche mit einem positiven Wochengewinn beenden konnten. Der Euro Stoxx 50 hat die untere Trading-Range bei 2.800 Punkten sowie die kurzfristige 20-Tage-Linie durchbrochen, sodass aus technischer Sicht der Euro Stoxx 50 fragil erscheint. In einem Aufwärtsszenario sehen wir es als Erfolg, wenn sich der Euro Stoxx 50 wieder nachhaltig in die Trading-Range über 2.800 Punkte positionieren kann. Aufgrund der technischen Eintrübung könnte das Wochentief aus vergangener Woche bei 2.708 getestet werden, jedoch spricht ein sehr freundlicher Wochenstart erstmal dagegen. Fundamental betrachtet, läuft die Berichtssaison in dieser Woche langsam aus und die ZEW-Konjunkturerwartungen sowie die US-Markit-PMIs werden im Laufe der Woche veröffentlicht.

Dow Jones Industrial

Der Dow Jones korrigierte in der vergangenen Woche um 2,7 %. Er schloss bei 23.685 Punkten. Die anderen Standardindizes S&P 500 (-2,3 %), Nasdaq Composite (-1,2 %) oder Russell 2000 (-5,5 %) konsolidierten ebenfalls. Zu den schwachen Sektoren gehörten Energie (-7,6 %), Industrie (-5,9 %) und Finanzen (-5,7 %), während Gesundheit sich knapp behauptete (+0,9 %). Letztendlich ließ die US-Notenbank Mitte dieser Woche etwas die Luft aus dem Markt durch die Aussage, der Ausblick für die US-Wirtschaft bleibe sehr unsicher und beinhalte signifikante Abwärtsrisiken. Übers Wochenende kam nun die Kehrtwende mit der Aussage die US Wirtschaft werde sich erholen und FED-Chef Powell warne davor, gegen die US-Wirtschaft zu spekulieren, was wiederum dazu führte, dass der Dow Jones zum Wochenstart mit einem deutlichen Kurssprung startet. Aktuell notiert es mit 23.927 Punkten knapp unter der 24.000 Punkte Marke im Bereich des 50 % Fibonacci Retracement der Februar/März Korrektur. Ein nachhaltiges Überwinden dieser Marke würde dem Dow Jones Luft für weitere Kursgewinne verschaffen. Wir halten ein Überwinden des bisherigen Verlaufshochs der aktuellen Rallye bei 24.765 Punkten und im weiteren Verlauf ein Schließen des Gaps bei 25.227 Punkten nach wie vor für möglich. Um weiteres Aufwärtspotenzial zu sehen, müsste sich die Marktcharakteristik aus unserer Sicht deutlich verbessern, insofern halten wir ein Erreichen der 90-Tage-Linie (aktuell bei 25.361 Punkten) aus kurzfristiger Sicht für eher unwahrscheinlich. Im Bereich über 24.800 Punkten sollte sich der Dow Jones mit weiteren Kursgewinnen zunächst schwertun. Auf der Unterseite bietet die 38-Tage-Linie (aktuell bei 23.192 Punkten) bzw. im weiteren Verlauf die 50-Tage-Linie (aktuell bei 22.863 Punkten) die nächste Unterstützung.

Bund-Future

Der Bund-Future notiert aktuell bei 173,57 und hat sich seit unserem letzten Kommentar kaum von der Stelle bewegt. Seit Anfang Mai bewegt sich der Bund-Future in einer engen Range seitwärts. Die Indikatoren bewegen sich im neutralen Bereich und geben keine Hinweise auf die zukünftige Entwicklung. Obwohl seit März der übergeordnete Trend aufwärtsgerichtet ist, dürfte der Bund-Future mit dem zu erwartenden freundlichen Wochenstart an den Aktienmärkten wieder etwas nachgeben. Ein Bruch des genannten Aufwärtstrends (aktuell 173,41) würde zunächst bis in den Bereich um 172,80 führen.

Einschätzung

Bislang blenden die Marktteilnehmer die zunehmend schlechten Daten der Konjunkturseite vollkommen aus und setzen darauf, dass mit der langsamen Rückkehr der Normalität zugleich die Konjunktur eine 180 Grad Kehrtwende vollziehen wird. Aus unserer Sicht erscheint dies unrealistisch. Zugleich werden sich die Gewinnrevisionen nach unten beschleunigen. Die Aktienmärkte wären dann erneut hoch bewertet. Auch wenn die Börse im Normalfall mit einem Vorlauf von 6 – 9 Monaten handelt, erscheinen die Kurse aufgrund der sich hinziehenden Rezession ambitioniert. Wir rechnen weiter mit einem Rückschlag an den Börsen und positionieren uns mittlerweile wieder etwas defensiver.

Stand: 18. Mai 2020 – Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise.

Gemälde GL-Saal
Christian Barth

Christian Barth

Der Diplom-Betriebswirt (FH) und Bankkaufmann ist seit 1998 bei der Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft beschäftigt. Nach der Tätigkeit im Private Banking ist er nun im Bereich Fondsmanagement tätig. Seine Aufgaben umfassen das Management von drei Dachfonds sowie die Analyse von zahlreichen Aktien-, Renten- und Immobilienmärkten.

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